Gastgeberorientierte Sprache: Was dein Team am Tisch sagt und was beim Gast ankommt

Gastgeberorientierte Sprache heißt: Dein Team spricht so, dass sich der Gast willkommen, verstanden und gut beraten fühlt, statt abgefertigt. Das gelingt mit offenen Fragen zur Begrüßung, konkreten Empfehlungen statt Ja-Nein-Fragen, Lösungen statt „leider“ und einem Ton, der am Tisch, am Telefon und bei Beschwerden gleich bleibt. Ein einziger Satz kann pro Tisch 40 Euro ausmachen.

„Haben Sie reserviert?“ „Ist alles in Ordnung?“ „Sonst noch was?“ Drei Sätze, die in fast jedem Restaurant jeden Abend fallen. Keiner davon ist unfreundlich. Und trotzdem sorgen alle drei dafür, dass der Gast weniger erlebt, weniger erzählt und weniger bestellt.

Sprache ist das billigste Werkzeug in deinem Betrieb. Sie kostet keinen Cent, braucht kein Budget und keine Investition. Sie entscheidet aber darüber, ob ein Gast sich wie ein Gast fühlt oder wie eine Tischnummer. Dieser Leitfaden zeigt dir, welche Wörter dein Team am Tisch, am Telefon und bei Beschwerden benutzen sollte, welche es streichen kann und wie du das trainierst, ohne dass es nach Callcenter klingt.

Was ist gastgeberorientierte Sprache?

Gastgeberorientierte Sprache ist die Art, mit Gästen zu sprechen, die vom Gast aus denkt statt vom Ablauf. Sie fragt nach Wünschen statt nach Formalien, empfiehlt konkret statt allgemein, bietet Lösungen statt Absagen und behandelt jeden Gast wie einen Besucher im eigenen Haus. Sie gilt am Tisch, am Telefon, in E-Mails und bei Beschwerden.

Der Unterschied zwischen Abwicklung und Gastgeberschaft liegt selten im Talent. Er liegt im Blickwinkel. Wer abwickelt, denkt: Was muss ich als Nächstes erledigen? Wer Gastgeber ist, denkt: Was braucht dieser Mensch gerade, und wie kann ich ihm den Abend besser machen?

Abwicklungssprache

Denkt vom Ablauf aus

„Haben Sie reserviert?“

„Leider ist der Tisch am Fenster weg.“

„Das geht nicht, das steht so nicht auf der Karte.“

„Sonst noch was?“

Gastgebersprache

Denkt vom Gast aus

„Schön, dass Sie da sind. Ist heute ein besonderer Anlass?“

„Ich habe einen ruhigen Tisch mit Blick in den Garten für Sie.“

„Ich frag in der Küche, was wir für Sie möglich machen können.“

„Zum Abschluss einen Espresso oder lieber einen Digestif?“

Gastgeberorientierte Sprache ist keine Verkaufstechnik, auch wenn sie den Umsatz hebt. Sie ist eine Haltung, die man hört. Und weil man sie hört, lässt sie sich auch trainieren.

Warum entscheidet ein einziger Satz über den Abend?

Ein einziger Satz entscheidet über den Abend, weil die ersten Worte am Tisch festlegen, ob ein Gespräch entsteht oder nur eine Bestellung. Eine offene Frage zur Begrüßung verrät Anlass, Stimmung und Wünsche. Eine geschlossene Frage wie „Haben Sie reserviert?“ liefert nur ein Ja. Alles, was danach kommt, baut auf dieser ersten Information auf.

Aus der Beratungspraxis, anonymisiert

Zwei Tische, ein Satz Unterschied

Tisch 6

„Haben Sie reserviert?“ Die Gäste bejahen kurz. Die Servicekraft nickt, reicht die Karten und geht. Ein normaler Abend.

Tisch 9

„Guten Abend. Haben Sie sich den Abend fest vorgenommen, oder waren Sie spontan in der Gegend?“ Die Gäste lachen und erzählen: Jahrestag. Der Kellner: „Dann darf ich Ihnen gleich ein Glas Sekt zur Begrüßung vorschlagen.“ Zwei Gläser Sekt, die sonst niemand bestellt hätte.

Beide Tische wurden fast zeitgleich besetzt, beide mit zwei Gästen. Der Unterschied lag nicht im Talent, sondern in der ersten Frage.

Ein Betrieb, den wir begleitet haben, hat die Reservierungsfrage durch die Frage nach dem Anlass ersetzt. In den ersten vier Wochen erfuhr das Team von 17 Geburtstagen, die vorher unbemerkt geblieben wären. Ein kleiner Gruß aus der Küche kostete wenig und brachte in mehreren Fällen Folgereservierungen, weil die Gäste sich gesehen fühlten.

René Kaplick sitzt als Gast mit seiner Begleitung in einem Wiener Kaffeehaus und erzählt dem Kellner vom Anlass des Besuchs
Die richtige erste Frage öffnet das Gespräch: René Kaplick von den Gastro Piraten diesmal als Gast im Kaffeehaus. (KI-generierte Szene)

Die Reservierung prüfst du übrigens trotzdem. Nur eben am Empfang, mit einem Blick ins System, und nicht als erste Frage an einen Menschen, der sich auf seinen Abend freut.

Welche Wörter sollte dein Team am Tisch vermeiden?

Am Tisch sollte dein Team Wörter vermeiden, die Absage, Gleichgültigkeit oder Unsicherheit transportieren: „leider“, „eigentlich“, „kein Problem“, „Das geht nicht“, „Ich bin nicht zuständig“ und „Sonst noch was?“. Sie sind nicht unhöflich, aber sie lenken den Blick des Gastes auf das, was fehlt, statt auf das, was möglich ist.

Die Ampel hilft beim Sortieren. Häng sie in den Personalraum und geh sie im Briefing vor dem Service einmal pro Woche durch, mit einem Wort pro Woche.

Rot: streichen

„Leider …“

„Das geht nicht.“

„Da bin ich nicht zuständig.“

„Das ist aus.“ (ohne Alternative)

„Sonst noch was?“

Gelb: sparsam

„Kein Problem.“

„Eigentlich …“

„Lecker.“

„Ist alles in Ordnung?“

„Einen Moment bitte.“

Grün: ausbauen

„Sehr gern.“

„Ich schaue, was ich für Sie tun kann.“

„Heute besonders gut ist …“

„Darf ich Ihnen empfehlen …“

„Schön, dass Sie da waren.“

Warum ist „kein Problem“ gelb und nicht grün? Weil es das Wort Problem in einen Moment trägt, in dem der Gast gar keins hatte. „Sehr gern“ sagt dasselbe und klingt nach Gastgeber. Und „lecker“ beschreibt nichts. „Warm aus dem Ofen, mit flüssigem Kern“ erzeugt ein Bild, „lecker“ nur ein Achselzucken.

Was du sagst Was der Gast hört Gastgeberversion
„Leider ist der Zander aus.“Pech gehabt.„Der Zander war heute schnell weg. Ganz ähnlich und wirklich gut ist unser Saibling aus der Region.“
„Das geht nicht, die Beilage ist fest.“Deine Wünsche sind hier lästig.„Ich frag kurz in der Küche, was wir möglich machen können.“
„Da bin ich nicht zuständig.“Hier fühlt sich keiner verantwortlich.„Ich hole Ihnen sofort meine Kollegin, die kennt sich damit am besten aus.“
„Ist alles in Ordnung?“Bitte sagen Sie ja.„Wie ist Ihnen das Lamm gelungen, war die Garstufe so, wie Sie es mögen?“
„Einen Moment bitte.“ (und weg)Du musst warten, wie lange, weiß keiner.„Ich bin in zwei Minuten bei Ihnen, ich bringe gleich die Karte mit.“

Welche Fragen öffnen ein Gespräch und welche beenden es?

Offene Fragen öffnen ein Gespräch, weil sie eine Antwort mit Inhalt einladen: „Wie haben Sie den Abend geplant?“ Geschlossene Fragen beenden es, weil sie nur Ja oder Nein erlauben. Am Anfang eines Tischkontakts gehören offene Fragen, am Ende Alternativfragen mit zwei konkreten Optionen. Die Ja-Nein-Frage ist der größte stille Umsatzkiller im Service.

Warum? Weil Ja-Nein-Fragen im Zweifel mit Nein beantwortet werden. Nein ist bequemer. „Möchten Sie noch etwas trinken?“ wird mit „Nein danke“ beantwortet. „Ein Glas Grauburgunder dazu oder lieber ein kühles Pils?“ verschiebt die Entscheidung von „ob“ zu „was“.

Aus der Beratungspraxis, typischer Ablauf

Ein Satz kostet 40 Euro

Variante eins: Vier Gäste bestellen ihre Hauptgerichte. Der Kellner fragt: „Möchten Sie noch etwas trinken?“ Antwort: „Nein danke.“ Kein Wein, kein Dessert, kein Espresso. Rechnung: rund 140 Euro.

Variante zwei: Gleiche Gerichte, anderer Kellner. „Darf ich Ihnen unseren Primitivo empfehlen? Der passt hervorragend zu den Steaks, viele teilen sich eine Flasche.“ Eine Flasche. Beim Abräumen: „Unser Schokoladensoufflé braucht zwölf Minuten. Wenn Sie Lust haben, sage ich der Küche jetzt Bescheid.“ Zwei Desserts. Danach: „Zum Abschluss einen Espresso oder einen Cappuccino?“ Zwei Espressi.

Unterschied: rund 40 Euro an einem einzigen Tisch. Nicht durch bessere Gäste oder bessere Küche, sondern durch bessere Fragen. Der zweite Kellner nennt ein konkretes Produkt, gibt einen Grund mit und schafft beim Dessert einen Anlass, jetzt zu entscheiden.

Wie viel das über ein Jahr ausmacht, zeigt die Dessertfrage. Ein Betrieb fragt bisher „Möchten Sie noch ein Dessert?“ und rund 12 Prozent der Gäste sagen ja. Nach Umstellung auf zwei konkret vorgestellte Desserts steigt die Quote auf 18 Prozent. Bei 4,55 Euro Deckungsbeitrag pro Dessert ergibt das:

Betrieb Gäste im Jahr zusätzliche Desserts zusätzlicher Deckungsbeitrag
Landgasthaus16.8001.0084.586 €
Stadtrestaurant46.8002.80812.776 €
Systemlokal81.6004.89622.277 €

Kosten der Maßnahme: null. Derselbe Moment, dieselbe Servicekraft, derselbe Tisch. Nur ein anderer Satz. Wo im Verlauf eines Abends überall solche Momente liegen, zeigt unser Beitrag zu den 20 Kontaktpunkten pro Gast.

Zwei weitere Fragetypen gehören in jeden Werkzeugkasten. Die Gegenfrage hilft, wenn ein Gast unklar ist: Auf „Was können Sie empfehlen?“ folgt „Mögen Sie es eher herzhaft oder eher leicht?“. Die Kontrollfrage verhindert Fehler bei größeren Gruppen: „Also einmal ohne Zwiebeln, richtig?“. Vorsicht dagegen bei der Suggestivfrage („Das nehmen Sie doch sicher auch, oder?“). Sie wirkt schnell aufdringlich und kostet genau das Vertrauen, auf dem jede Empfehlung aufbaut.

Wie spricht dein Team mit Kindern und Familien?

Mit Kindern spricht dein Team auf Augenhöhe, im wörtlichen Sinn: in die Hocke gehen, das Kind direkt ansprechen, die Kinderkarte erklären und das Kind selbst bestellen lassen, wenn die Eltern einverstanden sind. Eltern merken sofort, ob ihr Kind als Gast oder als Störfaktor behandelt wird. Und sie entscheiden danach, ob sie wiederkommen.

Familien sind für viele Betriebe die Stammgäste von morgen. Wer als Kind in einem Lokal ernst genommen wurde, kommt als Erwachsener mit den eigenen Kindern zurück. Das klingt romantisch, ist aber schlicht der Weg, auf dem sich viele Familienlokale über Generationen tragen.

Ein Kellner geht auf einer Seeterrasse in die Hocke und erklärt einem Mädchen die Kinderkarte, René Kaplick sitzt mit der Familie am Tisch und schaut zu
Gastgeber auf Augenhöhe: René Kaplick von den Gastro Piraten mit einer Familie auf der Terrasse, der Kellner erklärt die Kinderkarte. (KI-generierte Szene)

Drei Sätze, die bei Familien funktionieren:

  • Zur Begrüßung: „Hallo, ich bin Jonas. Und wer bist du?“ Dazu Malstifte oder ein kleines Rätselblatt, bevor die Eltern die Karte aufschlagen.
  • Bei der Bestellung: „Was möchtest du heute essen? Die Nudeln sind bei Kindern besonders beliebt.“ Die Eltern bestätigen, das Kind fühlt sich gemeint.
  • Zum Timing: „Soll das Essen für die Kleinen schon vorweg kommen?“ Eine Frage, die Eltern dankbar macht, weil sie zeigt, dass jemand mitdenkt.

Was nicht funktioniert: über das Kind hinweg nur mit den Eltern reden, Sätze wie „Na, wird hier wieder Chaos gemacht?“ oder genervte Blicke, wenn etwas umkippt. Jeder dieser Momente landet später in einer Bewertung.

Wie klingt gastgeberorientierte Sprache am Telefon?

Am Telefon klingt gastgeberorientierte Sprache so: Annahme innerhalb weniger Sekunden mit dem Namen des Hauses, den Namen des Anrufers erfragen und verwenden, nach dem Anlass fragen, eine konkrete Empfehlung geben und am Ende Datum, Uhrzeit und Personenzahl wiederholen. Der Anrufer hat sich schon für dich entschieden. Am Telefon geht es darum, ihn nicht wieder zu verlieren.

Zwei Gespräche zur gleichen Anfrage zeigen, worum es geht:

Gespräch 1

„Ich würde gern morgen Abend einen Tisch für vier reservieren.“
„Samstag ist schwierig. Ich kann schauen.“
„Ja, 19 Uhr geht.“

Reservierung angenommen, Chance verschenkt.

Gespräch 2

„Ich würde gern morgen Abend einen Tisch für vier reservieren.“
„Sehr gern. Darf ich fragen, ob Sie einen besonderen Anlass haben?“
„Ja, ein Geburtstag.“
„Wunderbar, dann reserviere ich Ihnen einen schönen Tisch. Am Samstag haben wir unser neues Menü, das Fischgericht ist gerade besonders beliebt.“

Aus einer Reservierung wird ein vorbereiteter Abend.

Das Problem im Alltag ist selten der Wille, sondern die Situation. Viele Wirte nehmen das Telefon mitten im Service an, mit halbem Ohr und der Pfanne auf dem Herd. In „Der digitale Wirt“ beschreibt René Kaplick einen Landgasthof in der Eifel, aus typischen Beratungssituationen zusammengesetzt: Der Wirt zählt an einem Samstag zwischen 17 und 20 Uhr 18 Anrufe, vier davon verpasst er komplett. Werden nur zwei davon zu Buchungen mit je drei Personen und 35 Euro pro Kopf, fehlen 210 Euro an einem Abend. Bei 30 guten Samstagen sind das über 6.000 Euro im Jahr.

René Kaplick hört mit Headset bei einer Rezeptionistin im Landhotel mit und gibt ihr während des Reservierungsgesprächs ein Daumen hoch
Telefontraining im laufenden Betrieb: René Kaplick von den Gastro Piraten hört an der Rezeption eines Landhotels mit. (KI-generierte Szene)

Die Lösung ist eine Kombination: Ein Online-Reservierungssystem nimmt die einfachen Buchungen ab, und wer ans Telefon geht, hat dann Zeit für ein echtes Gespräch. Und eine Grenze gilt für jede aktive Telefonansprache: Werbeanrufe bei Privatpersonen ohne deren vorherige ausdrückliche Einwilligung sind nach § 7 Abs. 2 UWG unzulässig, Verstöße können nach § 20 UWG mit bis zu 300.000 Euro Bußgeld geahndet werden. Rückrufe auf eine Anfrage und Anrufe bei Stammgästen, die eingewilligt haben, sind dagegen erlaubt.

Eine Übung, die jeder Inhaber einmal machen sollte: Ruf an einem Freitagabend unerkannt in deinem eigenen Betrieb an und frag nach einem Tisch für Samstag. Was du dann hörst, hört jeder Neugast.

Wie reagiert dein Team sprachlich auf Beschwerden?

Bei Beschwerden reagiert dein Team in vier Schritten: zuhören ohne zu unterbrechen, sich bedanken, dass der Gast es anspricht, eine konkrete Lösung anbieten und später nachfragen, ob sie gepasst hat. Rechtfertigungen wie „Das hat noch nie jemand gesagt“ oder „Die Küche ist heute unterbesetzt“ gehören nicht an den Tisch. Sie verteidigen den Betrieb und verlieren den Gast.

1

Zuhören

Ausreden lassen, Blickkontakt, nicken. Nichts erklären, nichts relativieren.

2

Danken

„Danke, dass Sie mir das direkt sagen. So kann ich es noch ändern.“

3

Lösen

„Ich lasse Ihnen das Steak sofort neu braten, so wie Sie es mögen.“

4

Nachfragen

„Ist es jetzt so, wie Sie es sich vorgestellt haben?“

Wichtig ist der Entscheidungsrahmen. Eine Servicekraft, die bei jeder Beschwerde erst den Chef holen muss, kann keine Gastgebersprache sprechen. Leg fest, bis zu welchem Betrag die Schichtleitung ohne Rückfrage einen Espresso, ein Dessert oder einen Nachlass geben darf. Das gehört ins Mitarbeiterhandbuch.

Und frag aktiv, statt auf Beschwerden zu warten. „Ist alles in Ordnung?“ ist so gebaut, dass die ehrliche Antwort schwerfällt. „Wie hat Ihnen das Steak gefallen?“ oder „War die Garstufe so, wie Sie sie wollten?“ lädt dazu ein, ehrlich zu sein. Lieber eine Beschwerde am Tisch, die du lösen kannst, als eine Bewertung im Netz, die du nur noch beantworten kannst.

Du oder Sie: Wie sprichst du Gäste an?

Ob du Gäste duzt oder siezt, hängt vom Konzept ab, nicht von der Laune der Servicekraft. Szene-Bar, Burgerladen und Strandbar können duzen, wenn das ganze Auftreten dazu passt. Im klassischen Restaurant, im Hotel und bei älteren Gästen ist Sie der sichere Standard. Wichtig ist, dass das ganze Team einheitlich auftritt.

Entscheidungshilfe für dein Haus

Duzt dein Betrieb auf Karte, Website und Social Media?

Ja

Duzen im Service ist stimmig. Ausnahme: Ein Gast siezt dich deutlich, dann gehst du mit. Bei sehr alten Gästen startest du mit Sie.

Nein

Sie ist Standard. Duzen nur, wenn der Gast es ausdrücklich anbietet, und auch dann nur dieser Servicekraft gegenüber, nicht automatisch dem ganzen Team.

Was nicht geht: eine Servicekraft duzt, die nächste siezt, und der Chef wechselt je nach Tisch. Das wirkt nicht locker, sondern unsicher. Schreib die Regel auf, erklär sie neuen Mitarbeitern beim Onboarding und halte sie auch in E-Mails und auf der Website durch.

Ein Sonderfall sind Mitarbeiter, die Deutsch als zweite Sprache sprechen. Sie brauchen keine perfekte Grammatik, um gute Gastgeber zu sein. Sie brauchen fünf bis zehn sichere Standardsätze für Begrüßung, Empfehlung und Abschied, die ihr gemeinsam übt. Mehr zur Einarbeitung internationaler Kollegen findest du im Beitrag zu ausländischen Fachkräften und Geflüchteten in der Gastronomie.

Wie redest du intern über Gäste und Team?

Intern redest du über Gäste so, wie du am Tisch mit ihnen redest: als Gäste, nicht als Kunden, Tische oder Nummern. Und über dein Team als Team, nicht als Personal. Die Sprache hinter der Küchentür prägt die Haltung vor der Küchentür. Wer intern über „die Nervensäge auf der Sieben“ lästert, lächelt am Tisch nicht mehr echt.

Kunde Gast
Personal Team
„die Sieben“ Familie Berger auf Tisch sieben
Reklamation Rückmeldung
abfertigen betreuen
Schwierige Gäste Gäste mit besonderen Wünschen

Das klingt nach Wortklauberei. Ist es nicht. Wer jeden Tag „Kunde“ sagt, denkt an Umsatz pro Transaktion. Wer „Gast“ sagt, denkt an einen Besuch, der wiederkommen soll. Das gilt auch zwischen den Abteilungen. Ein Küchenteam, das über „die vom Service“ redet, hat den Kampf zwischen Küche und Service schon in der Sprache angelegt.

Gerade hier ist der Chef Vorbild. Wenn du selbst abfällig über Gäste sprichst, übernimmt dein Team diesen Ton innerhalb weniger Wochen. Umgekehrt gilt das genauso. Klare, respektvolle Kommunikation im Team ist die Voraussetzung dafür, dass sie auch am Tisch ankommt.

Wie trainierst du Sprache, ohne dass es nach Skript klingt?

Sprache trainierst du, indem du Prinzipien vorgibst statt wörtlicher Sätze: offen statt geschlossen am Anfang, Auswahl statt Ja-Nein am Ende, Bild statt Aufzählung. Jede Servicekraft findet dafür eigene Worte. Übt einen Satz pro Woche im Briefing und im Rollenspiel. Wer fünfzehn Formulierungen auf einmal vorgibt, bekommt ein Team, das wie ein Callcenter klingt.

Aus der Beratungspraxis, anonymisiert

Das Skript, das jeder hörte

Ein Betrieb gab seinem Team wörtliche Formulierungen vor und bestand darauf, dass sie exakt so verwendet werden. Nach wenigen Wochen klang das Haus wie ein Callcenter. Gäste an Nachbartischen hörten denselben Satz in identischer Betonung, und der Effekt kippte ins Peinliche. Ein Stammgast fragte, ob es jetzt ein Handbuch gebe. Formulierungen sind Beispiele, keine Skripte.

René Kaplick spielt nach Feierabend im Restaurant einen schwierigen Gast, eine Servicekraft antwortet ruhig, das Team schaut lachend zu, fotografiert durch das nasse Fenster
Üben, wenn keiner zuschaut: René Kaplick von den Gastro Piraten spielt beim Abendtraining den schwierigen Gast. (KI-generierte Szene)

So sieht ein Zwölf-Wochen-Plan aus, mit dem jede Woche genau ein Satz dazukommt:

Woche 1
Anlassfrage zur Begrüßung
Woche 2
Wasser bringen statt fragen
Woche 3
Aperitif mit Namen empfehlen
Woche 4
Tagesempfehlung mit Grund
Woche 5
Wein zum Hauptgang als Auswahl
Woche 6
„Wie hat Ihnen … geschmeckt?“
Woche 7
Zwei Desserts vorstellen
Woche 8
Espresso oder Digestif
Woche 9
„Sehr gern“ statt „kein Problem“
Woche 10
Alternative statt „leider aus“
Woche 11
Telefon: Anlass erfragen
Woche 12
Verabschiedung mit Wiederkommen

Vier Übungen machen das Training lebendig:

  • Die verbotene Frage: Eine Woche lang ist „Möchten Sie noch etwas?“ verboten. Wer ihn benutzt, wirft symbolisch einen Cent ins Glas. Am Ende wird gezählt.
  • Beschreibung ohne Adjektive: Ein Gericht beschreiben, ohne „lecker“, „gut“, „fein“ oder „schön“. Nur Zubereitung, Temperatur, Textur, Herkunft. Zehn Minuten.
  • Zwei Optionen im Rollenspiel: Der Service bietet ein Dessert an, ohne Ja-Nein-Frage. Der Gast darf einmal ablehnen, dann folgt ein zweiter Versuch.
  • Der Anlass am Tisch: Eine Schicht lang stellt jeder bei jedem neuen Tisch die offene Ankunftsfrage und notiert, was er erfahren hat. Danach werden die Notizen verglichen.

Mach dabei nicht den Fehler, die Umsetzung zu kontrollieren wie eine Prüfung. Frag am Ende der Woche neugierig, wie es gelaufen ist. Und lob konkret, wenn ein Satz gesessen hat. Wie du Mitarbeiter so führst, dass sie Neues gern ausprobieren, steht im Beitrag zur Mitarbeitermotivation. Gerade Quereinsteiger profitieren davon, weil sie aus Verkauf oder Beratung oft schon gute Gesprächsgewohnheiten mitbringen.

Zum Anhören

Im Podcast der Gastro Piraten spricht René Kaplick mit Marc Weitzmann über gastgeberorientierte Sprache: welche Wörter Gäste abschrecken, wie man ein Team umgewöhnt und warum gute Gastgeber mehr zuhören als reden.

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Zum Weiterlesen

Der digitale Wirt

René Kaplicks Buch für Gastronomen, die mehr Zeit für ihre Gäste wollen. Kapitel 4, „Das Telefon oder der Gast“, zeigt, wie viele Reservierungen im Service verloren gehen und wie du Telefon und Online-Buchung so aufteilst, dass das persönliche Gespräch wieder Platz bekommt. Dazu Kapitel zu Bewertungen, Stammgästen und Allergenen, alles mit Rechenbeispielen aus der Praxis.

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Wer hier schreibt

René Kaplick ist in der Gastronomie aufgewachsen und hat mit zehn Jahren die ersten Gäste bedient. Nach der Kochausbildung arbeitete er in der Sternegastronomie im First Floor Berlin und wurde später Handelsfachwirt. Seit 2010 hat er mit den Gastro Piraten über 5.600 Betriebe beraten. Die Gastro Piraten sind KfW- und BAFA-akkreditiert und DEHOGA-Partner. Mehr über uns

Wie klingt dein Team am Tisch und am Telefon?

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Häufige Fragen zur gastgeberorientierten Sprache

Grundlagen

Was bedeutet gastgeberorientierte Sprache in der Gastronomie?
Eine Art zu sprechen, die vom Gast aus denkt: offene Fragen zur Begrüßung, konkrete Empfehlungen, Lösungen statt Absagen und ein respektvoller Ton am Tisch, am Telefon und bei Beschwerden. Sie ist keine Verkaufstechnik, sondern eine Haltung, die man hört und trainieren kann.

Welche Sätze sollte man im Service vermeiden?
„Leider“, „Das geht nicht“, „Da bin ich nicht zuständig“, „Sonst noch was?“ und „Ist alles in Ordnung?“. Sie lenken den Blick auf das, was fehlt, oder machen ehrliche Antworten schwer. Besser sind Alternativen, konkrete Nachfragen und Empfehlungen mit Grund.

Warum ist „kein Problem“ im Service ungünstig?
Weil es das Wort Problem in eine Situation bringt, in der der Gast keins hatte. „Sehr gern“ sagt dasselbe, klingt aber nach Gastgeber. Einzeln ist das kein Drama, im Dauergebrauch prägt es aber den Ton des ganzen Hauses.

Fragen und Verkauf

Was ist der Unterschied zwischen offenen und geschlossenen Fragen am Tisch?
Geschlossene Fragen erlauben nur Ja oder Nein und beenden oft das Gespräch. Offene Fragen laden zu einer Antwort mit Inhalt ein, zum Beispiel zum Anlass des Besuchs. Am Anfang gehören offene Fragen, am Ende Alternativfragen mit zwei konkreten Optionen.

Wie frage ich nach einem Dessert, ohne aufdringlich zu sein?
Stell zwei Desserts konkret vor und frag, worauf der Gast mehr Lust hat. Das ist Orientierung, keine Drängelei. Ein Betrieb steigerte so die Dessertquote von 12 auf 18 Prozent, ohne dass sich Gäste bedrängt fühlten.

Sollte der Service fragen, ob Gäste Wasser möchten?
Bei Standardangeboten wirkt Handeln oft besser als Fragen: Flasche an den Tisch bringen und die Sorte kurz benennen. Wichtig ist Transparenz, der Gast muss erkennen, dass es kostenpflichtig ist und keine Geste des Hauses.

Telefon, Anrede und Training

Wie nehme ich eine Reservierung am Telefon richtig an?
Innerhalb weniger Sekunden mit dem Namen des Hauses annehmen, den Namen des Anrufers erfragen und verwenden, nach dem Anlass fragen, eine Empfehlung geben und Datum, Uhrzeit und Personenzahl wiederholen. Die Anlassfrage ist der wichtigste Schritt.

Darf ich Gäste anrufen, um sie einzuladen?
Nur mit vorheriger ausdrücklicher Einwilligung. Werbeanrufe bei Privatpersonen ohne Einwilligung sind nach § 7 Abs. 2 UWG unzulässig, Verstöße können mit bis zu 300.000 Euro Bußgeld geahndet werden. Rückrufe auf Anfragen sind erlaubt.

Sollte man Gäste im Restaurant duzen oder siezen?
Das entscheidet das Konzept. Duzt dein Betrieb auf Karte und Website, passt Du im Service. Sonst ist Sie der Standard. Entscheidend ist, dass das ganze Team einheitlich auftritt und sich nach dem Gast richtet, wenn er es anders wünscht.

Wie trainiere ich mein Team, ohne dass es auswendig gelernt klingt?
Gib Prinzipien vor statt wörtlicher Sätze und übt einen Satz pro Woche im Briefing. Jeder findet eigene Worte. Rollenspiele und kleine Übungen wie die „verbotene Frage“ machen das Training lebendig und messbar.

Deine Gäste vergessen irgendwann, was sie gegessen haben. Wie man mit ihnen gesprochen hat, vergessen sie nicht.

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