Küche und Service: Zusammenarbeit statt Dauerstreit | Gastro Piraten

Der Streit zwischen Küche und Service endet nicht durch Appelle, sondern durch eine feste Schnittstelle: ein tägliches Küchenbriefing von fünf Minuten, drei feste Rückfragen des Service pro Schicht, klare Regeln am Pass, eine Ausverkauft-Meldung ab der letzten Portion und ein gemeinsames Ziel für beide Seiten. Das senkt Warenverlust, verhindert Absagen am Tisch und bringt messbar mehr Umsatz.

„Die Küche ist zu langsam.“ „Der Service bonniert wieder alles durcheinander.“ Diese zwei Sätze fallen in deutschen Restaurants vermutlich jeden Abend tausendfach. Meistens um 20 Uhr, wenn alle Tische voll sind und am Pass die Wärmelampen glühen. Und fast immer ist der Streit älter als alle, die gerade arbeiten.

Die gute Nachricht: In den meisten Betrieben liegt das Problem nicht an den Menschen. Es liegt daran, dass es keinen Moment im Tagesablauf gibt, an dem Küche und Service überhaupt miteinander reden. Wer das ändert, beendet nicht nur den Dauerstreit. Er holt sich Geld zurück, das bisher in der Tonne landet.

Warum streiten Küche und Service überhaupt?

Küche und Service streiten, weil sie unterschiedliche Arbeitszeiten, unterschiedliche Belastungsspitzen und unterschiedliche Erfolgsmaßstäbe haben. Die Küche misst sich an Tempo und Qualität des Tellers, der Service an der Zufriedenheit des Gastes. Ein Gericht, das zu lange braucht, ist für die Küche ein Qualitätsthema und für den Service eine Beschwerde. Ohne festen Austausch prallen beide Sichten im Stress aufeinander.

Dazu kommt ein räumliches Problem. Die Küche sieht den Gast nie. Der Service sieht nie, was in der Küche gerade brennt. Jeder kennt von der anderen Seite nur das Ergebnis: den Teller, der zu spät kommt, oder den Bon, der unleserlich ist. Daraus entstehen Geschichten über die anderen, die sich über Jahre verfestigen.

Welt 1

Küche

Arbeitstag: beginnt Stunden vor dem Service mit Mise en Place

Spitze: wenn viele Bons gleichzeitig kommen

Erfolg: Teller pünktlich, sauber, gleichbleibend

Sieht den Gast: nie

„Die bonnieren alles auf einmal und wundern sich dann.“

Welt 2

Service

Arbeitstag: beginnt kurz vor den ersten Gästen

Spitze: wenn viele Tische gleichzeitig etwas wollen

Erfolg: zufriedener Gast, gutes Trinkgeld

Sieht die Küche: nur durch den Pass

„Tisch sieben wartet seit 25 Minuten, was machen die da hinten?“

Beide haben recht. Und genau deshalb hilft der Appell „Vertragt euch“ nichts. Was hilft, ist Struktur: ein fester Anlass, ein fester Zeitpunkt und feste Regeln dafür, wie Informationen von der einen Seite zur anderen kommen. Der Ton spielt auch eine Rolle. Wie ein Küchenchef klar und trotzdem respektvoll führt, steht in unserem Beitrag zur Mitarbeiterführung in der Gastronomie.

Was kostet dich die fehlende Schnittstelle?

Die fehlende Schnittstelle kostet dich doppelt: Ware, die verdirbt, weil der Service nicht wusste, dass sie weg muss, und Umsatz, der nicht entsteht, weil diese Ware nicht verkauft wurde. Bei einem Betrieb mit 320.000 Euro Wareneinsatz im Jahr kommen nach vorsichtiger Rechnung rund 14.600 Euro zusammen. Für fünf Minuten Absprache am Tag.

Aus der Beratungspraxis, anonymisiert

Zweiundzwanzig Portionen Lachs

Freitag, 17:30 Uhr. In der Küche eines Restaurants in Bremen liegen 22 Portionen Lachs, die am Sonntag ihr Verbrauchsdatum erreichen. Der Küchenchef sieht es beim Einräumen und nimmt sich vor, etwas zu sagen.

18:30 Uhr. Der Service ist im Stress, am Pass wird es laut. Er sagt nichts.

21:00 Uhr. Noch 18 Portionen. Beim Ausgeben ruft er einer Servicekraft zu: „Sag den Leuten, sie sollen den Lachs nehmen.“ Sie nickt, hat vier Teller auf dem Arm und drei Tische offen. Sie vergisst es.

Sonntagabend. 14 Portionen gehen in die Tonne. Einkaufswert rund 120 Euro. Möglicher Verkaufswert bei 24,50 Euro pro Portion: 343 Euro.

Niemand hat einen Fehler gemacht. Der Küchenchef wusste es, der Service hätte es verkauft. Es gab nur keinen Moment, in dem die Information von einer Seite zur anderen kam.

Das ist kein Ausreißer, sondern der Normalfall in Betrieben ohne feste Schnittstelle. Und weil verdorbene Ware in keiner Verkaufsstatistik auftaucht, fällt sie nur indirekt auf: als Wareneinsatz, der zu hoch ist, ohne dass jemand die Ursache benennen kann. Für Speisen liegt ein gesunder Wareneinsatz bei 28 bis 32 Prozent. Wer darüber liegt, sollte zuerst an der Schnittstelle suchen, bevor er Lieferanten wechselt. Mehr dazu im Beitrag zum Wareneinsatz in der Küche.

Rechenbeispiel: mittlerer Betrieb, 320.000 Euro Wareneinsatz im Jahr
Warenverlust durch Verderb, vorsichtig 3 Prozent9.600 €
davon vermeidbar durch rechtzeitigen Abverkauf, etwa die Hälfte4.800 €
zusätzlich entgangener Verkaufserlös dieser Warerund 14.000 €
Deckungsbeitrag darauf, 70 Prozent9.800 €
Wirkung pro Jahrrund 14.600 €

Der Betrag entsteht durch zwei Effekte gleichzeitig: Du sparst die weggeworfene Ware, und du verkaufst sie zusätzlich. Wo genau in deinem Betrieb das Geld verloren geht, zeigt dir eine saubere Auswertung deiner Zahlen. Unsere Buchhaltung liefert dir die Grundlage dafür, und unser Beitrag zur BWA in der Gastronomie zeigt dir, wie du sie liest.

Wie läuft ein gutes Küchenbriefing vor dem Service?

Ein gutes Küchenbriefing dauert fünf Minuten, findet jeden Tag zur gleichen Zeit vor Schichtbeginn statt, und Küche und Service stehen dabei zusammen. Es folgt immer denselben vier Punkten: Was ist heute besonders gut, was muss weg, was ist knapp oder aus, und was haben Gäste gestern gefragt oder bemängelt. Der vierte Punkt kommt vom Service.

Punkt Wer sagt es Inhalt
1. TagesempfehlungKücheWas ist heute besonders gut, und warum
2. AbverkaufKücheWas muss heute raus, in welcher Menge
3. EngpässeKücheWas ist knapp, was ist schon aus
4. RückmeldungServiceWas Gäste gestern gefragt, gelobt oder bemängelt haben

Punkt vier wird fast immer vergessen, und er ist für die Küche der wichtigste. Der Service ist das einzige Ohr des Betriebs am Gast. Wenn gestern drei Tische nach einer vegetarischen Vorspeise gefragt haben, muss das die Küche erfahren. Nicht der Papierkorb.

René Kaplick erklärt beim Küchenbriefing vor dem Service gemeinsam mit dem Küchenchef einen frischen Fisch, die Servicekräfte probieren
Fünf Minuten, die sich jeden Tag rechnen: René Kaplick von den Gastro Piraten beim Küchenbriefing mit Küchenchef und Serviceteam. (KI-generierte Szene)

Wichtig ist auch, was das Briefing nicht ist: eine Ansage der Küche an den Service. Es ist ein Austausch in beide Richtungen. Betriebe, in denen nur die Küche redet und der Service zuhört, verlieren nach wenigen Wochen die Beteiligung. Dann stehen alle da, nicken und denken an etwas anderes.

Und lass probieren. Ein Löffel Sauce, ein Stück vom Fisch, ein Schluck vom offenen Wein. Wer ein Gericht geschmeckt hat, beschreibt es anders als jemand, der es nur vom Bon kennt. Das gehört auch in jede Einarbeitung neuer Servicekräfte.

Wann sollte der Service in der Küche nachfragen?

Der Service sollte dreimal pro Schicht von sich aus in der Küche nachfragen: kurz vor dem Ansturm, in der Mitte des Service und vor dem letzten Drittel des Abends. Jede Rückfrage dauert rund dreißig Sekunden. Sie verhindert, dass ein Gast ein Gericht bestellt, das längst aus ist, und dass Ware liegen bleibt, die heute noch weg müsste.

VOR DEM ANSTURM

17:45

„Steht noch alles wie besprochen?“

MITTE DES SERVICE

19:45

„Was ist aus, was läuft schleppend, was sollen wir jetzt pushen?“

LETZTES DRITTEL

21:00

„Was ist noch da und wird sonst morgen zum Problem?“

Uhrzeiten beispielhaft für einen Abendservice ab 18 Uhr. Passe sie an deine Spitzenzeiten an.

In einem Betrieb ohne diese Gewohnheit erfährt der Service vom ausverkauften Gericht in dem Moment, in dem der Bon zurückkommt. Dann muss er dem Gast am Tisch absagen, der sich schon entschieden hatte. Das ist der teuerste Weg, an diese Information zu kommen: Der Gast ist enttäuscht, der Tisch verliert Zeit, und die Servicekraft ist sauer auf die Küche.

Damit das klappt, braucht die Küche einen festen Ansprechpartner. Wenn alle zuständig sind, sagt niemand etwas. Leg fest, wer in jeder Schicht den Abverkaufsbedarf benennt, meistens der Sous-Chef oder der Postenchef am Pass. Das gehört ins Mitarbeiterhandbuch.

Welche Regeln gehören an den Pass?

An den Pass gehören wenige, klare Regeln, die jeder kennt: Wer ausruft, wer abholt, wie Bons geschrieben werden, wann ein Gericht als aus gemeldet wird und wie Reklamationen zurückkommen. Fünf Regeln reichen. Mehr liest im Stress niemand. Sie hängen gut lesbar dort, wo beide Seiten stehen, und werden im Briefing regelmäßig wiederholt.

PASS-REGEL 1

Ausverkauft ab der letzten Portion

Nicht wenn sie raus ist, sondern wenn sie bonniert ist. Laut ausrufen, im Kassensystem sperren.

PASS-REGEL 2

Ein Rufer, ein Ton

Eine Person ruft aus, der Service bestätigt. Kein Rufen quer durch die Küche.

PASS-REGEL 3

Teller holt, wer frei ist

Kein Teller steht länger als eine Minute unter der Lampe. Tischnummer steht am Teller.

PASS-REGEL 4

Sonderwünsche am Bon, nicht mündlich

Allergien und Änderungen gehören auf den Bon. Was nur gesagt wurde, existiert um 20 Uhr nicht mehr.

PASS-REGEL 5

Reklamation ruhig, nach der Spitze

Teller zurück mit einem Satz zum Grund. Die Diskussion darüber folgt nach dem Service.

Die erste Regel hat in vielen Betrieben den größten Effekt. In einem Restaurant gab es keine feste Regel, wann die Küche ein ausverkauftes Gericht meldet. Gäste bestellten weiter, Bons kamen zurück, der Service musste am Tisch absagen. Nach Einführung einer festen Meldung ab der letzten Portion verschwanden die Absagen fast vollständig.

Aus der Beratungspraxis, anonymisiert

Der Zettel am Pass, den niemand mehr las

Ein Betrieb löste das Kommunikationsproblem scheinbar elegant: Die Küche schrieb jeden Tag auf einen Zettel am Pass, was empfohlen werden soll und was weg muss. Nach drei Wochen las ihn niemand mehr.

Faulheit war es nicht. Der Zettel hing dort, wo der Service im Vorbeigehen nicht stehen bleiben kann, er war handschriftlich und im Halbdunkel schlecht lesbar. Vor allem war er einseitig. Die Küche schrieb, der Service las, ein Gespräch fand nie statt. Ein Zettel ersetzt kein Briefing. Er kann es ergänzen, als Gedächtnisstütze. Allein eingesetzt fehlt ihm das Wichtigste: die Rückfrage.

Auch die Küchenplanung spielt hinein. Ein Pass, an dem Service und Küche sich im Weg stehen, erzeugt Streit, den keine Regel löst. Wer neu baut oder umbaut, sollte die Wege von Anfang an mitdenken. Mehr dazu in unserem Beitrag zur Küchenplanung in der Gastronomie.

Wer ist für die Allergenauskunft zuständig?

Rechtlich ist der Betrieb für die Allergeninformation verantwortlich, praktisch brauchen Küche und Service dafür eine gemeinsame Grundlage. Die Küche dokumentiert die 14 Hauptallergene je Gericht und meldet jede Rezepturänderung, der Service gibt die Information korrekt an den Gast weiter. Bricht diese Kette, haftet am Ende der Betrieb.

Die Pflicht ergibt sich aus Artikel 9 und 44 der Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV): Auch bei nicht vorverpackten Lebensmitteln, also allem, was du am Tisch servierst, müssen die 14 Hauptallergene angegeben werden. Wie das in Deutschland geschehen darf, regelt § 4 der Lebensmittelinformations-Durchführungsverordnung (LMIDV): schriftlich auf der Karte, per Schild, Aushang oder elektronisch, oder mündlich, wenn eine schriftliche Dokumentation vorliegt, die der Gast auf Nachfrage einsehen kann.

Die mündliche Variante ist genau die Stelle, an der die Schnittstelle Küche und Service zur Haftungsfrage wird. Wenn der Koch die Sauce heute mit Sahne statt mit Brühe abbindet und es niemandem sagt, gibt der Service eine falsche Auskunft. Deshalb gehören Rezepturänderungen in Punkt drei des Briefings, und die Allergenliste wird bei jedem Kartenwechsel gemeinsam durchgegangen.

Faustregel für den Service

Wer bei einer Allergenfrage unsicher ist, sagt nie „Da ist nichts drin“. Er sagt: „Ich frage sofort in der Küche nach.“ Und er fragt. Lieber dreißig Sekunden Wartezeit als ein Notarzt im Gastraum.

Wie macht die Küche den Service zum besseren Verkäufer?

Die Küche macht den Service zum besseren Verkäufer, indem sie Wissen weitergibt: woher ein Produkt kommt, warum ein Gericht heute besonders gut ist, was dazu passt. Der Service kann nur verkaufen, was er weiß. Eine Tagesempfehlung mit Geschichte verkauft sich deutlich besser als ein Hinweis auf einen Zettel. Und manchmal reichen zwei Sätze.

Aus der Beratungspraxis, anonymisiert

Der eigene Wein, von dem niemand sprach

Ein Gutsausschank an der Mosel, angeschlossen an das Weingut derselben Familie. Der Wein kam aus dem eigenen Keller, der Winzer war der Bruder des Wirts. Auf der gesamten Speisenseite der Karte stand kein einziger Weinbezug. Der Service wusste natürlich, woher der Wein kam. Nur hatte nie jemand gesagt, dass er es auch erzählen soll.

Die Änderung bestand aus zwei Sätzen. Einer auf der Karte unter der Schnitzelrubrik: „Zu unseren Schnitzeln empfehlen wir den Riesling Kabinett aus dem Weingut der Familie.“ Und einer im Briefing: „Bei jedem Tisch aktiv einen Wein zum Hauptgang empfehlen, mit Namen.“

Gerechnet wurde vorsichtig mit 20 Prozent der Gäste, die darauf eingehen, und 4 Euro pro Glas. Bei 29.080 Gästen im Jahr sind das über 23.000 Euro zusätzlicher Umsatz. Für zwei Sätze.

René Kaplick stößt in einem Gutsausschank mit dem Winzer an, im Hintergrund schenkt eine Servicekraft Gästen den Hauswein ein
Was das Haus weiß, muss am Tisch ankommen: René Kaplick von den Gastro Piraten mit einem Winzer im Gutsausschank. (KI-generierte Szene)

Der gleiche Hebel steckt in Angeboten, die es gar nicht auf die Karte schaffen. Die Küche hat einen besonders schönen Fisch bekommen, acht Portionen. Für die Karte lohnt sich das nicht. Wenn der Service davon weiß, sind die acht Portionen bis neun Uhr verkauft, und zwar zu einem Preis, den du bei einem Kartengericht schwer durchsetzen könntest.

Voraussetzung ist, dass der Service es glaubwürdig erzählen kann. „Steht auf dem Zettel“ verschenkt die Empfehlung. „Unser Küchenchef hat heute Morgen auf dem Markt einen Steinbutt bekommen, wir haben noch sechs Portionen“ verkauft sie. Wie dein Team solche Momente am Tisch nutzt, findest du im Beitrag zu den 20 Kontaktpunkten pro Gast. Und welche Worte dabei wirken und welche nicht, steht unter gastgeberorientierte Sprache.

Was tun, wenn Abteilungen nebeneinanderher arbeiten?

Wenn Abteilungen nebeneinanderher arbeiten, fehlt fast nie der Wille, sondern die Gelegenheit. Prüf zuerst, an welcher Stelle im Tagesablauf ein Gespräch zwischen Küche und Service überhaupt vorgesehen ist. In den meisten Betrieben lautet die Antwort: an keiner. Dann hilft ein fester täglicher Termin mehr als jedes Teambuilding.

Aus der Beratungspraxis, anonymisiert

Das Seehotel mit zwei Abteilungen, die nicht miteinander redeten

Ein Hotel mit Restaurant an einem See in Mecklenburg, abgelegen, überwiegend Hausgäste. Am Nachmittag backte die Küche Kuchen, der Kuchen kam in die Vitrine. Fertig. Niemand sagte dem Service, was gebacken worden war. Der Service sah dasselbe wie der Gast: ein Stück Kuchen hinter Glas. Auf Fragen nach Zutaten konnte er nur ausweichend antworten. Empfehlungen gab es kaum, weil man nichts empfiehlt, was man nicht kennt.

Das Bemerkenswerte: Service und Housekeeping frühstückten jeden Morgen gemeinsam und redeten selbstverständlich miteinander. Zwischen Küche und Service lag der Austausch bei null. Der Unterschied war kein menschlicher, sondern ein struktureller. Die Abteilungen trafen sich nur einmal im Monat bei der Hoteldirektion. Für strategische Fragen reicht das. Für die Frage, welcher Kuchen heute in der Vitrine steht, ist es unbrauchbar.

Eingeführt wurde nichts Kompliziertes: ein fester täglicher Austausch, gezielte Schulungen für beide Seiten und eine Führungsebene, die aufhörte, nur in der eigenen Abteilung zu denken. Nach etwa einem Jahr war aus zwei Abteilungen ein Team geworden. Dann drehte sich der Austausch um: Der Service trug Anregungen der Gäste in die Küche, die Küche entwickelte damit die Karte weiter. Umsatz und Rentabilität stiegen.

René Kaplick steht in einem Seehotel zwischen einem Koch und einer Servicekraft hinter der Kuchenvitrine, der Koch erklärt den Kuchen
Wenn der Koch selbst erklärt, was er gebacken hat: René Kaplick von den Gastro Piraten mit Küche und Service an der Kuchenvitrine eines Seehotels. (KI-generierte Szene)

Vier Lehren daraus, die für jedes Haus gelten:

  • Prüf nicht die Bereitschaft, sondern die Gelegenheit. Wenn zwei Abteilungen nicht reden, fehlt fast immer der Anlass.
  • Ein Monatsmeeting ersetzt kein Tagesbriefing. Beides hat seinen Platz, aber sie lösen unterschiedliche Probleme.
  • Führung ist Ursache und Lösung. Solange jede Leitung nur ihre eigene Abteilung sieht, entsteht keine Schnittstelle, egal wie gut die Mitarbeiter sind.
  • Der Rückkanal ist so wichtig wie die Ansage. Was der Service vom Gast hört, gehört in die Küche.

Wer seine Kommunikationswege grundsätzlich ordnen will, findet weitere Werkzeuge im Beitrag zur effektiven Kommunikation in der Gastro.

Wie bekommen Küche und Service ein gemeinsames Ziel?

Ein gemeinsames Ziel entsteht, wenn beide Seiten am selben Erfolg gemessen und am selben Erfolg beteiligt werden. Wer eine Teamprämie nur für den Service ausschreibt, gibt der Küche keinen Grund, sich für Verkauf zu interessieren. Bezieh die Küche in Wochenziele, Anerkennung und, wo es passt, ins Trinkgeld ein. Und sag laut, wenn ein Abverkauf geklappt hat.

Drei Dinge, die in der Praxis funktionieren:

Ein Wochenziel für beide

Zum Beispiel: Die Tagesempfehlung ist jeden Abend bis 21 Uhr ausverkauft. Die Küche liefert, der Service verkauft, beide sehen das Ergebnis.

Anerkennung über den Pass

Wenn ein Gast die Küche lobt, trägt der Service das Lob zurück. Wenn der Service den Lachs verkauft hat, sagt der Küchenchef danke, so dass alle es hören.

Gemeinsames Personalessen

Nicht in zwei Gruppen an zwei Tischen. Wer zusammen isst, redet zusammen. Das kostet nichts außer der Entscheidung.

Beim Trinkgeld lohnt ein genauer Blick. Viele Betriebe beteiligen die Küche, weil der Gast ja den ganzen Abend bezahlt und nicht nur den Service. Trinkgeld, das ein Gast freiwillig gibt, ist nach § 3 Nr. 51 EStG für Arbeitnehmer steuerfrei, wenn es ohne Rechtsanspruch gezahlt wird. Sobald eine Verteilung vertraglich zugesagt ist oder Geld aus der Kasse des Betriebs kommt, kann daraus steuer- und beitragspflichtiger Lohn werden. Wie die Aufteilung sauber läuft, klärst du am besten mit deiner Lohnbuchhaltung, bevor du ein System einführst.

René Kaplick reicht beim gemeinsamen Personalessen nach Schichtende einer Köchin eine Salatschüssel, Köche und Servicekräfte sitzen gemischt am langen Tisch
Ein Team statt zwei Lager: René Kaplick von den Gastro Piraten beim gemeinsamen Personalessen von Küche und Service. (KI-generierte Szene)

Noch ein Detail zum Personalessen. Ein Haus gab Ware mit kurzer Restlaufzeit routinemäßig ans Personal. Bequem, aber teuer: Was als Tagesempfehlung verkauft worden wäre, wurde verschenkt. Nach der Umstellung bekam das Personal nur noch, was tatsächlich nicht mehr verkäuflich war, und die Abverkaufsliste im Briefing wurde länger. Gutes Personalessen ist trotzdem Pflicht. Es sollte nur nicht der Ersatz für einen Abverkauf sein. Wie Benefits und Motivation sonst noch zusammenhängen, liest du unter Mitarbeitermotivation in der Gastronomie.

Welche Übungen bringen Küche und Service zusammen?

Vier kurze Übungen bringen Küche und Service zusammen: die Tagesempfehlung in dreißig Sekunden, der Abverkauf unter Zeitdruck, der Rollentausch und die Allergenfrage. Sie dauern fünf Minuten bis eine Stunde, passen ins Briefing oder in eine ruhige Schicht und machen sichtbar, wie die andere Seite arbeitet. Genau das fehlt in den meisten Betrieben.

Übung 1: Empfehlung in 30 Sekunden

Die Küche nennt ein Produkt. Jede Servicekraft formuliert laut eine Empfehlung. Kein Satz darf sich wiederholen, das Wort „lecker“ ist verboten.

Dauer: 5 Minuten · Häufigkeit: wöchentlich

Übung 2: Abverkauf unter Zeitdruck

„Wir haben noch zwölf Portionen, die morgen nicht mehr gehen. Ihr habt drei Minuten.“ Das Team sammelt: welcher Tisch, welcher Moment, welche Worte.

Dauer: 5 Minuten · Häufigkeit: bei Bedarf

Übung 3: Rollentausch

Eine Servicekraft steht eine halbe Stunde in der Küche, ein Koch eine halbe Stunde im Service. Danach erzählt jeder, was ihn überrascht hat.

Dauer: 1 Stunde · Häufigkeit: einmal pro Quartal

Übung 4: Die Allergenfrage

Jemand spielt einen Gast mit Unverträglichkeit und fragt zu drei Gerichten. Die Servicekraft antwortet ohne Nachschlagen. Jede Unsicherheit wird notiert.

Dauer: 10 Minuten · Häufigkeit: monatlich

Der Rollentausch ist die Übung mit der größten Wirkung und dem größten Widerstand. Köche wollen nicht an den Tisch, Servicekräfte haben Respekt vor der heißen Küche. Gerade deshalb lohnt sie sich. Die häufigste Ursache für eine schlechte Schnittstelle ist, dass niemand eine Vorstellung davon hat, wie die andere Seite arbeitet. Nach einer halben Stunde am Pass bonniert kaum eine Servicekraft mehr zehn Hauptgänge gleichzeitig ohne Vorwarnung.

Eine kleine Variante mit großer Wirkung: Lass den Küchenchef zweimal pro Woche zwei Minuten selbst im Servicebriefing sprechen, statt die Information über die Schichtleitung weiterzureichen. In einem Betrieb, der das eingeführt hat, erzählten die Servicekräfte die Gerichte danach mit deutlich mehr Überzeugung, weil sie die Begeisterung aus erster Hand gehört hatten.

Dein Plan ab morgen

  1. Setz ein tägliches Küchenbriefing an: fünf Minuten, feste Uhrzeit, beide Seiten anwesend.
  2. Nimm die vier Punkte aus der Tabelle als festen Ablauf. Nicht mehr, nicht weniger.
  3. Führ die Regel ein, dass der Service dreimal pro Schicht in der Küche nachfragt.
  4. Leg fest, wer in der Küche den Abverkaufsbedarf benennt.
  5. Häng die fünf Pass-Regeln auf und geh sie im ersten Briefing gemeinsam durch.
  6. Nimm die Küche in dein nächstes Teamziel auf.

Die Briefings und Absprachen kosten Arbeitszeit. Plan sie fest im Dienstplan ein, statt sie in die Pause zu quetschen. Wenn du wissen willst, was dich eine Stunde Personal in deinem Betrieb wirklich kostet, hilft der Beitrag zu den Personalkosten in der Gastronomie.

Du willst die Schnittstelle in deinem Betrieb nicht allein aufbauen? In der Beratung schauen wir uns deine Abläufe zwischen Küche und Service an, rechnen deinen Warenverlust durch und führen Briefing und Pass-Regeln gemeinsam mit deinem Team ein. Alle weiteren Personalthemen findest du im Wissenshub unter Personal und Lohn.

Zum Weiterlesen

Aktiver Verkauf im Restaurant

Kapitel 6 in René Kaplicks Buch widmet sich ganz der Schnittstelle zwischen Küche und Service: das Küchenbriefing mit vier Punkten, der aktive Gang in die Küche, die Rechnung zum Warenverlust und vier Übungen für beide Seiten. Dazu Kapitel zu Führung, Kennzahlen und Entlohnung, alles mit Fällen aus der Beratungspraxis.

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Wer hier schreibt

René Kaplick ist in der Gastronomie aufgewachsen und hat mit zehn Jahren die ersten Gäste bedient. Nach der Kochausbildung arbeitete er in der Sternegastronomie im First Floor Berlin und wurde später Handelsfachwirt. Seit 2010 hat er mit den Gastro Piraten über 5.600 Betriebe beraten. Die Gastro Piraten sind KfW- und BAFA-akkreditiert und DEHOGA-Partner. Mehr über uns

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Häufige Fragen zur Zusammenarbeit von Küche und Service

Ursachen und Lösungen

Warum gibt es in der Gastronomie so oft Streit zwischen Küche und Service?
Weil beide unterschiedliche Arbeitszeiten, Belastungsspitzen und Erfolgsmaßstäbe haben und es oft keinen festen Moment gibt, an dem sie miteinander reden. Die Küche sieht den Gast nie, der Service sieht nie, was in der Küche los ist. Ohne Struktur entsteht daraus Misstrauen.

Wie verbessere ich die Kommunikation zwischen Küche und Service?
Mit einem täglichen Küchenbriefing von fünf Minuten vor Schichtbeginn, drei festen Rückfragen des Service pro Schicht, klaren Regeln am Pass und einem gemeinsamen Ziel. Appelle an das Miteinander helfen wenig, feste Abläufe dagegen sofort.

Was gehört in ein Küchenbriefing?
Vier Punkte: die Tagesempfehlung, was heute weg muss, was knapp oder aus ist, und die Rückmeldung des Service, was Gäste gestern gefragt oder bemängelt haben. Ideal sind fünf Minuten, jeden Tag zur gleichen Zeit, mit Probieren.

Wer ist schuld, wenn ein Gericht zu spät kommt?
Meistens niemand allein. Oft wurden zu viele Bons gleichzeitig geschickt, ein Posten war überlastet oder ein Gericht war schon aus. Klär das nach dem Service ruhig mit beiden Seiten und such die Ursache im Ablauf, nicht bei der Person.

Geld und Recht

Was kostet schlechte Kommunikation zwischen Küche und Service?
In einem mittleren Betrieb mit 320.000 Euro Wareneinsatz im Jahr ergeben vermeidbarer Verderb und entgangener Deckungsbeitrag nach vorsichtiger Rechnung rund 14.600 Euro pro Jahr. Dazu kommen Absagen am Tisch, verärgerte Gäste und Fluktuation.

Muss der Service über Allergene Auskunft geben können?
Ja. Nach LMIV und § 4 LMIDV müssen die 14 Hauptallergene auch bei loser Ware angegeben werden, schriftlich oder mündlich mit schriftlicher Dokumentation, die auf Nachfrage einsehbar ist. Die Küche muss Rezepturänderungen deshalb sofort an den Service melden.

Darf die Küche am Trinkgeld beteiligt werden?
Ja, viele Betriebe machen das. Freiwilliges Trinkgeld vom Gast ist nach § 3 Nr. 51 EStG steuerfrei, solange kein Rechtsanspruch besteht. Ist die Verteilung vertraglich zugesagt oder kommt das Geld vom Betrieb, kann Lohnsteuer anfallen. Lass das System vorher von deiner Lohnbuchhaltung prüfen.

Praxis

Reicht ein Zettel am Pass mit den Tagesinfos?
Zur Ergänzung ja, als einziger Kanal nein. Ein Zettel wird nach wenigen Wochen nicht mehr gelesen und lässt keine Rückfragen zu. Er sollte das mündliche Briefing festhalten, nicht ersetzen.

Wann sollte ein Gericht als ausverkauft gemeldet werden?
Sobald die letzte Portion bonniert ist, nicht erst, wenn sie den Pass verlassen hat. Die Küche ruft es laut aus und sperrt es im Kassensystem. So muss der Service keinem Gast mehr am Tisch absagen.

Wie oft sollten Köche und Servicekräfte die Rollen tauschen?
Einmal pro Quartal für eine halbe Stunde je Seite reicht. Danach erzählt jeder, was ihn überrascht hat. Der Rollentausch baut Verständnis für die andere Seite auf, das kein Gespräch ersetzen kann.

Küche und Service sind nicht zwei Mannschaften, die gegeneinander spielen. Sie stehen auf zwei Seiten desselben Passes, und über diesen Pass geht jeden Abend dein Umsatz.

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