Stellenanzeige Gastronomie: Muster, Gehalt und AGG 2027

Eine Stellenanzeige in der Gastronomie, auf die sich Leute melden, nennt Gehalt oder Stundenlohn, feste Arbeitszeiten und freie Tage, zeigt das Team, ist diskriminierungsfrei formuliert und erlaubt eine Bewerbung in 60 Sekunden, zum Beispiel per WhatsApp. Sie läuft dort, wo Bewerber sind: Jobbörse der Arbeitsagentur, Google, Instagram und deine eigene Website.

Die meisten Anzeigen in unserer Branche scheitern nicht am Markt, sondern an sich selbst. „Wir suchen motivierte Servicekraft (m/w/d) für unser junges, dynamisches Team. Bewerbung mit Lebenslauf an info@.“ Kein Gehalt, keine Zeiten, kein Gesicht, dafür ein AGG-Risiko im ersten Satz. Und dann wundert man sich, dass sich keiner meldet.

Stellenanzeige Gastronomie: junge Köchin mit Smartphone lacht in der Durchreiche eines orangefarbenen Streetfood-Imbiss, daneben ein Kollege mit Pommes
Bewerber suchen keine Stelle, sie suchen einen Ort, an dem sie gern arbeiten. Zeig ihnen deinen. (Symbolbild, KI-generiert)

Was muss in eine Stellenanzeige in der Gastronomie rein?

Eine wirksame Stellenanzeige in der Gastronomie enthält sieben Punkte: Position mit m/w/d, Betrieb in zwei Sätzen, konkrete Aufgaben, Arbeitszeiten mit freien Tagen, Gehalt oder Stundenlohn, das Team und einen einfachen Bewerbungsweg mit Ansprechperson. Rechtlich zwingend ist davon nur eines: Die Anzeige darf niemanden wegen Geschlecht, Alter, Herkunft, Religion, Behinderung oder sexueller Identität ausschließen.

Alles andere ist Marketing. Und genau da verlierst du die Leute. Ein Koch, der um halb zwölf nachts nach der Schicht auf dem Sofa sitzt und durch Anzeigen scrollt, will in zehn Sekunden drei Dinge wissen: Was verdiene ich, wann arbeite ich, wie sind die Leute. Steht das nicht drin, scrollt er weiter.

1

Position mit m/w/d
„Koch (m/w/d)“ statt „Koch gesucht“

2

Betrieb in zwei Sätzen
Art, Größe, Küche, Ort

3

Konkrete Aufgaben
Posten, Gedecke, Verantwortung

4

Arbeitszeiten
Schichten, freie Tage, kein Teildienst?

5

Gehalt
Stundenlohn oder Spanne, Trinkgeldregel

6

Das Team
Wer arbeitet da, Foto, ein Zitat

7

Bewerbung in 60 Sekunden
WhatsApp, Telefon, Name der Ansprechperson

Die Punkte 4 bis 6 machen den Unterschied. Dienstplan, Ton und Team sind laut dem, was wir in Beratungen immer wieder hören, die Gründe, warum Leute zu einem Betrieb wechseln oder bleiben. Geld ist dabei ein Ausschlusskriterium, kein Entscheidungskriterium: Zahlst du deutlich unter Marktniveau, hilft keine Anzeige der Welt. Liegst du im normalen Rahmen, entscheiden die anderen Dinge. Was eine Position konkret umfasst, schreibst du am schnellsten aus deiner Stellenbeschreibung ab.

Musst du in der Stellenanzeige das Gehalt nennen?

Stand Oktober 2026 gibt es in Deutschland noch keine gesetzliche Pflicht, das Gehalt in der Stellenanzeige zu nennen. Die EU-Entgelttransparenzrichtlinie verlangt aber, dass Bewerber das Einstiegsgehalt oder eine Spanne vor dem Vorstellungsgespräch erfahren. Deutschland hätte das bis zum 7. Juni 2026 umsetzen müssen und ist im Verzug. Die Pflicht kommt, nur das Datum steht noch nicht fest.

Die Richtlinie (EU) 2023/970 regelt in Artikel 5 zwei Dinge, die dich als Arbeitgeber direkt betreffen. Erstens: Bewerber haben Anspruch auf Information über das Einstiegsentgelt oder dessen Spanne, etwa in der Stellenanzeige oder vor dem Gespräch. Zweitens: Du darfst Bewerber nicht mehr fragen, was sie bisher verdient haben. Laut Antwort der Bundesregierung vom Juli 2026 laufen die Vorbereitungen für einen Gesetzentwurf. Einen Zeitplan gibt es nicht.

Unser Rat: Warte nicht auf das Gesetz. Wer heute schon den Stundenlohn reinschreibt, bekommt mehr und passendere Bewerbungen, weil sich niemand umsonst bewirbt. Und weil die Untergrenze in der Gastronomie ohnehin öffentlich ist, verrätst du nichts, was die Konkurrenz nicht schon weiß.

Lohnrechner: Was dein Stundenlohn im Monat bedeutet

Vollzeit mit 40 Stunden pro Woche, gerechnet mit rund 173 Stunden pro Monat, Bruttowerte, gerundet

13,90 Euro gesetzlicher Mindestlohn 2026rund 2.405 Euro
14,60 Euro gesetzlicher Mindestlohn ab 2027rund 2.526 Euro
16,00 Eurorund 2.768 Euro
18,00 Eurorund 3.114 Euro

Der Mindestlohn steht in der Fünften Mindestlohnanpassungsverordnung. Gilt für deinen Betrieb ein Tarifvertrag, ist der Tariflohn die Untergrenze.

Bei Minijobs ist der Stundenlohn ohnehin Pflichtwissen, weil die Verdienstgrenze am Mindestlohn hängt: 603 Euro im Monat 2026, 633 Euro ab 2027. Was das für deine Aushilfen heißt, steht im Beitrag zu Minijobs in der Gastronomie 2027.

Tipp zum Trinkgeld: Schreib nicht „plus Trinkgeld“, sondern wie es verteilt wird. „Trinkgeld wird über die Kasse erfasst und monatlich steuerfrei ans ganze Team ausgezahlt, Küche inklusive“ ist ein Satz, der Köche anzieht. Ein Euro-Betrag zum Trinkgeld gehört nicht in die Anzeige, weil du ihn nicht garantieren kannst.

Welche Formulierungen sind nach dem AGG riskant?

Riskant ist jede Formulierung, die Bewerber wegen Geschlecht, Alter, ethnischer Herkunft, Religion, Behinderung oder sexueller Identität ausschließen könnte. Klassiker in der Gastro sind „junges Team“, „Kellnerin gesucht“ und „Muttersprachler“. Wer mit so einer Anzeige einen Bewerber ablehnt, riskiert eine Entschädigung von bis zu drei Monatsgehältern, auch wenn der Bewerber ohnehin nicht eingestellt worden wäre.

Die Grundlage ist § 11 AGG: Eine Stelle darf nicht unter Verstoß gegen das Benachteiligungsverbot ausgeschrieben werden. Die Folgen regelt § 15 AGG. Der abgelehnte Bewerber muss nur Indizien für eine Benachteiligung zeigen, dann musst du beweisen, dass es keine war. Die Anzeige selbst ist dabei oft das stärkste Indiz. Das Bundesarbeitsgericht hat zum Beispiel die Suche nach Leuten für ein „junges, dynamisches Team“ als Indiz für eine Altersdiskriminierung gewertet.

Ampel Formulierung Problem Besser
ROT„Kellnerin gesucht“Geschlecht„Servicekraft (m/w/d)“
ROT„für unser junges, dynamisches Team“Alter„für unser eingespieltes, herzliches Team“
ROT„Deutsch als Muttersprache“Ethnische Herkunft„sehr gute Deutschkenntnisse“, nur wenn wirklich nötig
GELB„Berufseinsteiger bis 30″Alter„auch für Berufseinsteiger geeignet“
GELB„körperlich voll belastbar“BehinderungTätigkeit beschreiben: „Arbeit im Stehen, Tragen von Getränkekisten“
GELB„Bewerbung mit Foto“Indiz für Auswahl nach AussehenKein Foto verlangen
GRÜN„Koch (m/w/d), gern auch Quereinsteiger“KeinsSo lassen

Die Frist für den Bewerber ist kurz: Er muss seine Ansprüche innerhalb von zwei Monaten nach der Absage schriftlich geltend machen. Trotzdem gibt es Leute, die sich gezielt auf fehlerhafte Anzeigen bewerben, um zu kassieren. Gerichte erkennen Rechtsmissbrauch zwar an, aber beweisen musst du ihn. Die billigste Verteidigung ist eine saubere Anzeige. Bei einem konkreten Anspruchsschreiben gehst du zu einem Fachanwalt für Arbeitsrecht.

Wie sieht eine gute Anzeige im Vergleich zu einer schlechten aus?

Eine gute Anzeige sagt in den ersten drei Zeilen Lohn, Arbeitszeit und freie Tage, zeigt ein echtes Teamfoto und endet mit einem Bewerbungsweg, der auf dem Handy funktioniert. Eine schlechte Anzeige besteht aus Floskeln wie „flexibel und belastbar“, nennt weder Geld noch Zeiten und verlangt Anschreiben, Lebenslauf und Zeugnisse per E-Mail. So sehen beide auf dem Smartphone aus:

So nicht

Servicekraft gesucht!!!

Wir suchen ab sofort eine motivierte, flexible und belastbare Servicekraft für unser junges, dynamisches Team.

Sie sind teamfähig, zuverlässig und haben Erfahrung in der Gastronomie.

Wir bieten einen abwechslungsreichen Arbeitsplatz und leistungsgerechte Bezahlung.

Aussagekräftige Bewerbung mit Lebenslauf, Lichtbild und Zeugnissen bitte an info@…

  • Kein Lohn, keine Zeiten
  • AGG-Risiko: „junges Team“, Foto
  • Hürde: Unterlagen per Mail

So schon

[Teamfoto vor dem Service]

Servicekraft (m/w/d), Vollzeit

16 Euro pro Stunde plus Trinkgeld fürs ganze Team

Vier Tage die Woche, zwei freie Tage am Stück, kein Teildienst. Dienstplan zwei Wochen im Voraus.

Bistro mit 60 Plätzen, sieben Leute im Team, Lisa ist deine Ansprechperson.

Kurz per WhatsApp melden
  • Lohn und Zeiten in Zeile zwei
  • Gesichter statt Floskeln
  • Bewerbung in 60 Sekunden

Die rechte Anzeige ist kürzer und bringt trotzdem mehr. Sie beantwortet die drei Fragen, die jeder Bewerber hat, bevor er sie stellen muss. Und sie verzichtet auf alles, was jeder schreibt. „Flexibel und belastbar“ liest ein Koch als „Überstunden ohne Ende“. „Leistungsgerechte Bezahlung“ liest er als „wenig“.

Der Floskel-Übersetzer: Was du schreibst, was der Bewerber liest

„Flexibel und belastbar“
→
Überstunden, Teildienst, Dienstplan am Donnerstag für Samstag
„Leistungsgerechte Bezahlung“
→
Mindestlohn, und zwar knapp
„Abwechslungsreiche Tätigkeit“
→
Du machst alles, was liegen bleibt
„Familiäres Team“
→
Der Chef ruft dich auch am freien Tag an
„Aussagekräftige Bewerbungsunterlagen“
→
Heute Abend am Laptop sitzen statt aufs Sofa

Ersetze jede Floskel durch eine Tatsache: Stundenlohn statt „leistungsgerecht“, „zwei freie Tage am Stück“ statt „flexibel“.

Wo solltest du Stellenanzeigen in der Gastronomie schalten?

Schalte deine Anzeige auf mindestens drei Wegen: kostenlos in der Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit, auf deiner eigenen Website mit einer Karriereseite, die Google findet, und auf Instagram, wo dich Bewerber sowieso prüfen. Branchenportale für Gastro und Hotel lohnen sich bei Fachkräften. Die Lokalzeitung und der Zettel an der Tür bringen heute kaum noch etwas.

Der wichtigste Satz dazu stammt aus der Praxis: Menschen bewerben sich nicht auf Stellenanzeigen, sie bewerben sich auf Orte, die sie gut finden. Bevor sich jemand meldet, sucht er dich auf Instagram, liest deine Google-Bewertungen und schaut, ob ehemalige Mitarbeiter etwas über dich geschrieben haben. Die Anzeige ist nur der Anstoß. Entschieden wird woanders, nämlich bei deiner Arbeitgebermarke.

Kanal Reichweite Kosten Passende Bewerber Wofür
Jobbörse der Arbeitsagentur●●●○kostenlos●●○○Pflichtprogramm, auch für Azubis
Eigene Karriereseite●●○○einmalig●●●●Hier landen alle, die dich prüfen
Instagram●●●○Zeit●●●●Alltag und Team zeigen
Branchenportale Gastro und Hotel●●○○mittel●●●●Fachkräfte, aktive Ansprache
Große Jobportale●●●●mittel bis hoch●○○○Viele Klicks, wenig Passendes
Empfehlung aus dem Team●○○○Prämie●●●●Die besten Leute kommen über Leute
Lokalzeitung, Zettel an der Tür●○○○gering bis mittel●○○○Höchstens als Ergänzung

Bewertung nach unserer Beratungserfahrung, kein Ranking einzelner Anbieter.

Die Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit ist kostenlos und wird von Suchmaschinen und vielen Portalen ausgelesen. Für die eigene Website gilt: Eine Karriereseite mit echten Fotos und den offenen Stellen ist das, was ein Bewerber findet, wenn er dich googelt. Wie du deine Website und dein Google-Profil dafür aufstellst, steht in unseren Beiträgen zur Restaurant-Website und zum Google-Unternehmensprofil.

So sieht eine Karriereseite aus, die funktioniert

deinbetrieb.de/jobs
1 Teamfoto, ehrlich, kein Stockbild
„Bei uns arbeiten 12 Leute. Zwei davon seit über zehn Jahren.“
2 Was wir zahlen
Stundenlöhne je Position, Trinkgeldregel
3 Wie wir planen
Dienstplan zwei Wochen vorher, freie Tage am Stück
4 Wer dich einarbeitet
Pate, Fünftagesplan, zwei Gespräche
5 Offene Stellen, jede mit Lohn, Zeiten und Datum
6 Ein Knopf: per WhatsApp melden

Wie findet Google deine Stellenanzeige?

Google zeigt Stellenangebote in einer eigenen Jobsuche an, wenn sie auf deiner Website mit strukturierten Daten vom Typ JobPosting ausgezeichnet sind. Das klingt technisch, ist aber für deinen Webdesigner oder ein WordPress-Plugin eine Sache von Minuten. Wichtig ist, dass die Angaben vollständig und aktuell sind. Abgelaufene Stellen nimmst du raus, sonst wertet Google das gegen dich.

FeldPflicht bei GoogleBeispiel
JobtiteljaKoch (m/w/d)
BeschreibungjaDer komplette Anzeigentext
Veröffentlichungsdatumja09.10.2026
ArbeitgeberjaName und Website deines Betriebs
ArbeitsortjaAdresse des Betriebs
Gültig bisempfohlenDatum, an dem die Stelle endet
Gehaltempfohlen16 Euro pro Stunde
BeschäftigungsartempfohlenVollzeit, Teilzeit, Minijob
Team eines Landgasthofs stellt sich gut gelaunt vor dem Haus für ein Teamfoto für die Karriereseite auf
Ein echtes Teamfoto auf der Karriereseite wirkt stärker als jeder Satz über „tolle Kollegen“. (Symbolbild, KI-generiert)
Zimmermädchen und Rezeptionist schauen in der Pause im Hotelinnenhof gemeinsam auf ein Smartphone
Stellen werden in der Pause gefunden, auf dem Handy, und oft von Kollegen weitergeschickt. (Symbolbild, KI-generiert)

Beispiel aus der Praxis (illustrativ): Achtzehn Monate ohne Bewerbung

Nadine führt ein Bistro in Osnabrück. Die Stelle ist gut: Vollzeit, 16 Euro die Stunde, zwei feste freie Tage am Stück, Mitarbeiteressen, kein Teildienst. Trotzdem kommt nichts. Zettel an der Tür: nichts. Regionales Jobportal, drei Monate geschaltet: drei Bewerbungen, keine davon mit Gastroerfahrung. Anzeige in der Lokalzeitung für 180 Euro: null. Das geht achtzehn Monate so.

Das Problem ist nicht das Angebot. Ihr Restaurant ist bestens sichtbar, mit gepflegtem Google-Profil und schönen Tellerfotos auf Instagram. Sie selbst ist als Arbeitgeberin unsichtbar: kein einziges Foto vom Team, keine Karriereseite, nur ein Kontaktformular. Dann ändert sie eine Sache. Vier Wochen lang postet sie jeden Tag eine kurze Story, nicht über die offene Stelle, sondern über den Alltag: die Mise en place um zehn, das gemeinsame Frühstück vor dem Service, die Spülkraft, die seit elf Jahren dabei ist.

In der zweiten Woche kommt eine Nachricht über Instagram, drei Sätze: „Euer Bistro sieht nach einem guten Ort aus, ich such gerade was, habt ihr noch was frei?“ Nadine antwortet am selben Abend. Drei Tage später Probearbeiten, drei Wochen später erster Arbeitstag. Gehalt, Stelle und Arbeitszeiten waren exakt dieselben wie in allen Anzeigen davor. Anders war nur das Bild, das die Bewerberin vorher gesehen hatte.

Name und Ort wurden geändert. Der Fall ist aus typischen Beratungssituationen der Gastro Piraten zusammengesetzt und in René Kaplicks Buch „Der digitale Wirt“ ausführlich beschrieben.

Wie machst du die Bewerbung so einfach wie möglich?

Mach die Bewerbung so einfach wie eine Tischreservierung: per WhatsApp, Instagram-Nachricht oder Anruf, drei Sätze reichen, Lebenslauf bringt man zum Gespräch mit. Antworte innerhalb von 24 Stunden, auch bei Absagen. Lade statt zum langen Vorstellungsgespräch zum bezahlten Probearbeiten ein. Jeder zusätzliche Tag Wartezeit kostet dich Bewerber, die sich längst woanders gemeldet haben.

SEKUNDE 0 BIS 60

Bewerber schreibt
„Hi, ich bin Köchin, drei Jahre Erfahrung, hätte ab März Zeit.“

→

INNERHALB 24 STUNDEN

Du antwortest
Danke, zwei Rückfragen, Terminvorschlag fürs Probearbeiten.

→

INNERHALB EINER WOCHE

Bezahlte Probeschicht
Beide Seiten sehen in einer Schicht mehr als in drei Gesprächen.

Zum Probearbeiten gibt es eine rechtliche Seite, die viele unterschätzen. Arbeitet jemand richtig mit, ist das ein Arbeitsverhältnis mit Mindestlohn, Anmeldung und Versicherung. Nur ein reines Kennenlernen ohne Arbeitspflicht kann unbezahlt sein. Was genau gilt, steht im Beitrag zu den Risiken beim Probearbeiten. Und denk daran: Auch Bewerbungen per WhatsApp sind personenbezogene Daten. Wie lange du sie aufheben darfst, haben wir im Abschnitt Datenschutz unseres Beitrags zur E-Mail-Archivierung erklärt.

Pizzaiolo zeigt einem Bewerber beim Probearbeiten in der offenen Küche einer Pizzeria, wie man Teig ausdrückt
Eine bezahlte Probeschicht sagt mehr als jedes Anschreiben, für beide Seiten. (Symbolbild, KI-generiert)

Wie sehen fertige Anzeigen für Koch, Service und Azubi aus?

Gute Musteranzeigen für die Gastronomie sind kurz, konkret und mit dem Handy lesbar: Überschrift mit Position und m/w/d, Lohn und Arbeitszeiten ganz oben, zwei Sätze zum Betrieb, drei bis fünf Aufgaben, das Team, ein einfacher Bewerbungsweg. Die folgenden drei Vorlagen kannst du übernehmen. Ersetze alles in eckigen Klammern durch deine echten Werte.

Koch (m/w/d), Vollzeit

[17] Euro pro Stunde, Trinkgeldbeteiligung, 5-Tage-Woche mit zwei freien Tagen am Stück, kein Teildienst.

Wir sind [ein Landgasthof mit 80 Plätzen und Biergarten in …]. Regionale Küche, frisch gekocht, kein Convenience-Zirkus.

Du übernimmst einen eigenen Posten, kochst à la carte und für Feiern bis [100] Personen und bringst dich bei der Saisonkarte ein.

Unser Küchenteam: [Name], Küchenchef, plus drei Köche und ein Azubi.

Bewerbung: Kurz per WhatsApp an [Nummer] oder anrufen bei [Name]. Lebenslauf bringst du zum Probearbeiten mit.

Servicekraft (m/w/d), Teilzeit oder Minijob

[15] Euro pro Stunde plus Trinkgeld, Freitag und Samstag ab 17 Uhr, Dienstplan zwei Wochen im Voraus.

Wir sind [ein Bistro mit 60 Plätzen in …]. Viele Stammgäste, gute Stimmung, ehrliche Küche.

Du betreust dein eigenes Revier, empfiehlst Wein und Dessert und hältst den Laden zusammen, wenn es voll wird. Erfahrung hilft, Freundlichkeit ist Pflicht, alles andere bringen wir dir bei.

Bewerbung: Drei Sätze per WhatsApp an [Nummer], Ansprechperson ist [Name]. Wir melden uns innerhalb von 24 Stunden.

Ausbildung Koch (m/w/d) ab August

Ausbildungsvergütung [nach Tarif / Betrag] im ersten Jahr, Fünf-Tage-Woche, freie Tage fest geplant.

Bei uns lernst du alles von der Brühe bis zum Bankett, mit einem festen Ausbilder, der Zeit für dich hat. Unser letzter Azubi hat [mit Note … abgeschlossen und ist geblieben].

Was du brauchst: Lust aufs Kochen, Pünktlichkeit und keine Angst vor einem vollen Samstag.

Bewerbung: Komm zum Schnuppertag vorbei oder schreib uns per WhatsApp an [Nummer]. Zeugnis reicht, Anschreiben brauchst du nicht.

Der Satz mit dem Ansprechpartner ist kein Detail. Eine Anzeige mit einem Namen wirkt wie eine Einladung, eine Anzeige mit „info@“ wie ein Formular. Und der Satz „Wir melden uns innerhalb von 24 Stunden“ ist ein Versprechen, das du halten musst, dafür aber eines, das kaum ein Wettbewerber gibt.

Darfst du Stellenanzeigen mit KI schreiben?

Ja, und es spart Zeit. Eine KI formuliert dir in Sekunden eine lesbare Anzeige, wenn du ihr die Fakten gibst: Position, Lohn, Arbeitszeiten, Betrieb, Team, Bewerbungsweg. Prüfen musst du zwei Dinge selbst: ob jede Angabe stimmt und ob kein AGG-Stolperstein drinsteht. KI-Tools schreiben gern „junges, dynamisches Team“, weil das in Millionen Anzeigen steht.

Das zweite Problem ist der Einheitsbrei. Wenn alle Betriebe in der Stadt ihre Anzeige mit derselben KI und demselben Prompt schreiben, klingen alle gleich. Dein Vorteil sind die Dinge, die nur du hast: das gemeinsame Frühstück vor dem Service, die Spülkraft, die seit elf Jahren dabei ist, der Dienstplan, der zwei Wochen vorher hängt. Gib der KI genau diese Details, dann klingt das Ergebnis nach dir. Ob du KI-Texte kennzeichnen musst, steht im Beitrag zur KI-Kennzeichnungspflicht in der Gastronomie.

Was kostet dich eine falsche Einstellung?

Eine falsche Einstellung im Service kostet dich nach unserer Rechnung je nach Betriebsgröße 9.000 bis 15.000 Euro. Rund 3.700 bis 6.700 Euro davon sind direkte Kosten für Anzeige, Auswahl, Einarbeitung und Unterbesetzung. Der Rest ist Umsatz, den eine Fehlbesetzung am Tisch nicht macht. Genau deshalb lohnt sich eine Anzeige, die die richtigen Leute anzieht, statt möglichst viele.

Posten, Servicekraft in VollzeitAnsatz
Stellenanzeige und Auswahlaufwand400 bis 900 Euro
Einarbeitung, vier Wochen mit reduzierter Leistungrund 1.200 Euro
Bindung erfahrener Kollegen für die Einarbeitungrund 600 Euro
Entgangener Umsatz durch Unterbesetzung in der Vakanz1.500 bis 4.000 Euro
Direkte Kosten zusammen3.700 bis 6.700 Euro
Dazu: 2 Euro weniger Pro-Kopf-Umsatz bei 4.000 Gästen in elf Monaten, bei 70 Prozent Deckungsbeitrag5.600 Euro Ergebnis

Rechnung aus René Kaplicks Buch „Aktiver Verkauf im Restaurant“, Kapitel 3. Deine Werte hängen von Betriebsgröße und Umsatz ab.

Die Zeile ganz unten ist die, die fast niemand rechnet. Eine Fehlbesetzung kostet nicht nur die Suche, sondern jeden Tag am Tisch Geld, weil sie nicht empfiehlt, nicht verkauft und Gäste nicht begeistert. Eine Anzeige, die ehrlich sagt, was du erwartest, filtert diese Leute heraus, bevor sie dich etwas kosten. Wie aktives Verkaufen im Service aussieht, steht im Beitrag zu den 20 Kontaktpunkten pro Gast.

Zehn Fragen, bevor deine Anzeige online geht

Steht m/w/d hinter der Position?
Steht der Stundenlohn in den ersten drei Zeilen?
Sind Arbeitszeiten und freie Tage konkret?
Ist die Trinkgeldregel erklärt?
Kein „jung“, kein „Muttersprache“, kein Foto verlangt?
Gibt es ein echtes Teamfoto?
Steht ein Name als Ansprechperson drin?
Geht die Bewerbung per WhatsApp oder Telefon?
Ist die Anzeige auf dem Handy in 30 Sekunden gelesen?
Wer antwortet innerhalb von 24 Stunden?
Bäckermeisterin zeigt einer Schülerin beim Schnuppertag in der Backstube eines Cafés, wie man Croissants formt
Für Azubis ist ein Schnuppertag die bessere Bewerbung: Sie sehen, ob der Beruf passt, du siehst, ob die Person passt. (Symbolbild, KI-generiert)

Was passiert nach der Anzeige?

Nach der Anzeige entscheidet sich, ob die Einstellung hält. Die meisten Betriebe haben kein Findungsproblem, sondern ein Halteproblem: Die gute Kraft geht nach sechs Wochen, weil sie niemand eingearbeitet hat. Plane deshalb vor der Anzeige schon die Einarbeitung: einen Fünftagesplan, eine feste Ansprechperson und zwei Gespräche, nach der ersten und nach der vierten Woche.

Wer alle achtzehn Monate dieselbe Stelle neu besetzt, sucht dreimal so oft wie nötig. Und jede Neubesetzung kostet dich Anzeige, Auswahl, Einarbeitung und Produktivität. Wie du das ausrechnest, steht im Beitrag zu den Personalkosten in der Gastronomie. Wie die ersten Tage laufen sollten, im Beitrag zum Onboarding in der Gastronomie. Und wie du die ersten Monate rechtlich sauber gestaltest, im Beitrag zur Probezeit. Am Ende jeder Zusammenarbeit steht übrigens das Zeugnis, und das liest der nächste Bewerber oft mit: Wie du es fair schreibst, zeigt unser Leitfaden zum Arbeitszeugnis in der Gastronomie.

Zum Weiterlesen

Bevor du aufschließt

Das Handbuch für Gründung und Übernahme in der Gastronomie, 624 Seiten, gegliedert nach Betriebstyp. Im Kapitel „Personal aufbauen“ rechnet René Kaplick vor, wie du Stellen aus der Umsatzkurve planst statt aus dem Bauch, warum der zweitteuerste Personalfehler die gute Kraft ist, die nach sechs Wochen geht, und wie eine Einarbeitung mit Fünftagesplan funktioniert.

Bei Amazon ansehen Mehr zum Buch

Wenn du beim Personal an mehreren Stellen gleichzeitig hängst, helfen wir dir. In der Beratung bauen wir mit dir Anzeigen, Karriereseite, Auswahlprozess und Einarbeitung so auf, dass sie zusammenpassen. Die Lohnbuchhaltung nimmt dir Abrechnung, Minijobs und Zuschläge ab. Alle Beiträge rund um dein Team findest du im Wissenshub unter Personal und Lohn.

Wer hier schreibt

René Kaplick ist in der Gastronomie aufgewachsen und hat mit zehn Jahren die ersten Gäste bedient. Nach der Kochausbildung arbeitete er in der Sternegastronomie im First Floor Berlin und wurde später Handelsfachwirt. Seit 2010 hat er mit den Gastro Piraten über 5.600 Betriebe beraten. Die Gastro Piraten sind KfW- und BAFA-akkreditiert und DEHOGA-Partner. Mehr über uns

Deine Anzeige läuft und keiner meldet sich?

Schick sie uns. Im kostenlosen Erstgespräch schauen wir uns Anzeige, Kanäle und deinen Auftritt als Arbeitgeber an und sagen dir ehrlich, woran es hängt.

Du willst wissen, wie andere Gastgeber gerade Personal finden? Jeden Montag von 10 bis 11 Uhr tauschen sich Gastronomen und Hoteliers aus dem ganzen DACH-Raum online aus, kostenlos. Melde dich für die Hospitality Business School an und bring deine aktuelle Anzeige einfach mit.

Häufige Fragen zur Stellenanzeige in der Gastronomie

Inhalt und Recht

Muss ich in der Stellenanzeige das Gehalt angeben?
Stand Oktober 2026 noch nicht. Die EU-Entgelttransparenzrichtlinie verlangt aber, dass Bewerber das Einstiegsgehalt oder eine Spanne vor dem Vorstellungsgespräch erfahren. Deutschland setzt sie verspätet um. Wer den Stundenlohn schon heute nennt, bekommt mehr passende Bewerbungen.

Warum steht in Stellenanzeigen m/w/d?
Weil eine Stellenanzeige nach § 11 AGG niemanden wegen des Geschlechts ausschließen darf. Der Zusatz m/w/d zeigt, dass Männer, Frauen und diverse Personen gemeint sind. Eine Anzeige für „Kellnerin“ ohne Zusatz ist ein Indiz für Benachteiligung und kann teuer werden.

Darf ich „junges Team“ in die Stellenanzeige schreiben?
Besser nicht. Das Bundesarbeitsgericht hat die Formulierung „junges, dynamisches Team“ als Indiz für eine Altersdiskriminierung gewertet. Schreib stattdessen „eingespieltes, herzliches Team“ oder beschreibe, was euer Team ausmacht.

Was kostet eine fehlerhafte Stellenanzeige?
Ein abgelehnter Bewerber kann nach § 15 AGG eine Entschädigung verlangen, wenn die Anzeige ihn benachteiligt. Wäre er ohnehin nicht eingestellt worden, sind es bis zu drei Monatsgehälter. Dazu kommen Anwalts- und Prozesskosten. Eine saubere Anzeige kostet nichts.

Kanäle und Bewerbung

Wo finde ich in der Gastronomie am schnellsten Personal?
Über eine Kombination: kostenlose Jobbörse der Arbeitsagentur, eigene Karriereseite, Instagram mit echten Teameinblicken und Empfehlungen aus dem eigenen Team. Für Fachkräfte lohnen Branchenportale mit aktiver Ansprache. Zettel an der Tür und Lokalzeitung bringen heute kaum noch etwas.

Darf ich Bewerbungen per WhatsApp annehmen?
Ja, viele Betriebe machen das, weil es Bewerbern die Hürde nimmt. Bewerbungen sind aber personenbezogene Daten. Nutze ein Geschäftskonto, speichere nur das Nötigste und lösche die Daten nach einer Absage, sobald du sie nicht mehr brauchst.

Wie schnell sollte ich auf eine Bewerbung antworten?
Innerhalb von 24 Stunden, auch bei einer Absage. Gute Leute in der Gastronomie haben mehrere Angebote. Wer drei Tage auf eine Antwort wartet, hat sich in der Zeit woanders beworben und oft schon zugesagt.

Muss ich Probearbeiten bezahlen?
Wenn der Bewerber richtig mitarbeitet, ja. Dann ist es ein Arbeitsverhältnis mit Mindestlohn und Anmeldung. Unbezahlt geht nur ein reines Kennenlernen ohne Arbeitspflicht. Eine bezahlte Probeschicht ist außerdem das stärkste Signal, dass dein Betrieb seriös ist.

Formulierung und Werkzeuge

Wie lang sollte eine Stellenanzeige in der Gastronomie sein?
So kurz, dass sie auf einen Handybildschirm passt, also rund 80 bis 150 Wörter. Lohn, Arbeitszeiten und freie Tage gehören in die ersten drei Zeilen. Lange Aufzählungen mit Floskeln wie „flexibel und belastbar“ schrecken eher ab.

Darf ich eine Stellenanzeige mit ChatGPT schreiben?
Ja. Gib der KI die konkreten Fakten zu Lohn, Zeiten, Betrieb und Team und prüfe das Ergebnis auf Richtigkeit und AGG-Formulierungen. KI-Texte enthalten oft Floskeln wie „junges Team“ und klingen bei allen Betrieben gleich. Deine echten Details machen den Unterschied.

Soll ich nach dem bisherigen Gehalt fragen?
Gewöhn es dir ab. Die EU-Entgelttransparenzrichtlinie verbietet Arbeitgebern, Bewerber nach ihrem bisherigen Gehalt zu fragen. Sobald Deutschland sie umgesetzt hat, gilt das auch hier. Nenn lieber selbst, was du zahlst.

Bewerber suchen keine Stellenanzeige, sie suchen einen Ort, an dem sie gern arbeiten. Zeig ihnen deinen, mit Lohn, Zeiten und Gesichtern, dann melden sie sich.

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