Gastronomie Businessplan schreiben
Ein Gastronomie Businessplan ist kein Werbeprospekt, sondern ein Finanz- und Umsetzungsdokument. Er muss zeigen, welches Konzept umgesetzt wird, welche Zielgruppe dafür bezahlt, ob der Standort trägt und ob die Zahlen realistisch sind. Die folgende Struktur bildet genau diese Anforderungen ab und verbindet sie praxisnah mit der Realität gastronomischer Betriebe.
1. Worum es bei einem Gastronomie Businessplan wirklich geht
Ein professioneller Businessplan leistet drei Funktionen:
- Er definiert Konzept, Zielgruppe und Positionierung.
- Er zeigt die wirtschaftliche Funktionsweise (Umsatz → Kosten → Ergebnis).
- Er beweist Steuerungsfähigkeit (Controlling, Liquidität, Risiken).
Alle Teile, die keine dieser Funktionen unterstützen, können entfallen.
2. A Formalien und Executive Summary
A1 Deckblatt
Inhalt: Konzeptname, optional Slogan, Kontaktdaten. Keine Zusatzmaterialien.
A2 Vertraulichkeit / Disclaimer
Ein kurzer Hinweis zur vertraulichen Nutzung reicht aus.
B Executive Summary (max. 1 Seite)
Die Zusammenfassung beantwortet komprimiert:
- Was ist das Konzept
- Für wen
- Warum wird es gekauft
- Warum jetzt
- Warum an diesem Standort
- Kapitalbedarf und Finanzierung
- Nächste Schritte (z. B. Mietvertrag, Kreditprüfung)
3. C Konzept im Detail im Gastronomie Businessplan
C1 Vision, Werte, Haltung
Welche grundlegende Problemlösung wird angeboten und was ist nicht verhandelbar (z. B. Qualität, Preislogik, Service, Atmosphäre).
C2 Speisen- und Getränkeangebot
Kernsortiment, ergänzende Produkte, Margenträger. Bilder oder Beispielkarten sind sinnvoll.
C3 Erlebnis, Design, Atmosphäre
Darstellung des „Gasterlebnisses“: Raumgefühl, Stil, Akustik, Serviceabläufe, sozialer Umgang.
C4 Betriebsmodell
Serviceform (z. B. Table, Counter, Hybrid), Öffnungszeiten, Reservierungslogik, Delivery/To-Go, Kassen- und Zahlungsstruktur.
Ziel: operative Machbarkeit und Gästeabwicklung pro Tag sichtbar machen.
4. D Zielgruppe und Nachfrage
D1 Zielgruppenprofil
Definiert anhand von 2–3 konkreten Personas statt „für alle“. Wichtige Kriterien: Lebensrealität, Werte, Erwartungshaltung, Kaufgründe.
D2 Nachfrageannahmen
Ableitung der notwendigen Nachfrage aus Standort, Zielgruppe und Angebot.
Kennzahl: Gäste pro Tag × Durchschnittsbon × Öffnungstage.
5. E Standort und Wettbewerb
E1 Standortanalyse
Analyse von Lage, Frequenzträgern, Einzugsgebiet, Entwicklung, Sichtbarkeit, Parken, ÖPNV.
E2 Wettbewerbsanalyse
Direkte und indirekte Wettbewerber inkl. Angebot, Preisniveau, Qualität, Wartezeiten, Bewertungen, Schwächen.
E3 Positionierung
Position im Kopf der Gäste (Preis, Qualität, Erlebnis) und Abgrenzung zum Umfeld.
6. F Marketing und Vertrieb im Gastronomie Businessplan
F1 Marketingstrategie
Wege vom Erstkontakt zur Wiederkehr. Typische Ziele: Erstbesuche, Stammkundenquote, Bewertungen.
F2 Online Marketing
Kanäle, Content, Frequenz, Nutzung von Google Maps, Social Media, SEO, Ads, UGC.
F3 Offline Marketing
Kooperationen, Events, Multiplikatoren, PR.
Frage: Was bringt messbar Gäste in den Laden?
F4 Vertrieb / Umsatzkanäle
Umsatzkanäle definieren, z. B.:
- Dine-In
- To-Go
- Delivery
- Catering
- Events
- Merchandise
Für jeden Kanal: Anteil, Logik, Begründung.
7. G Team und Organisation
G1 Betreiber, Rollen, Verantwortlichkeiten
Zuweisung operativer, finanzieller, organisatorischer Zuständigkeiten.
G2 Personalplanung und Training
Rollen, Vollzeitäquivalente, Minijobs, Schichtlogik, Recruiting, Einarbeitung und Standardisierung.
G3 Gesellschaftsstruktur / Rechtsform
Rechtsform, Gesellschafter, Beteiligungen, Entscheidungswege.
8. H Controlling und Systeme
Kassensystem / Daten / Kennzahlen
Regelmäßiges Tracking von Kennzahlen wie Umsatz, Wareneinsatz, Personalkosten, Durchschnittsbon, Frequenz.
Zeiterfassung / Personaleinsatzplanung
Tools und Prozesse für Schichtplanung, Zeiterfassung, rechtssichere Abrechnung.
Prime-Cost-Steuerung
Prime Costs = Wareneinsatz + Personalkosten.
Darstellung von Zielwerten, Monitoring und Eingriffslogik.
9. I Finanzplanung
I1 Investitionsplan (CAPEX)
Alle Erstinvestitionen wie Küche, Möbel, Technik, Umbau, Genehmigungen mit Begründung und Priorisierung.
I2 Finanzierungsplan
Eigenkapital, Darlehen, Leasing, Fördermittel, Beteiligungen. Bedingungen und Quellen.
I3 Umsatzplanung / Annahmen
Formel: Gäste × Bon × Öffnungstage je Kanal
Mit Ramp-Up-Phase und Saisonalität.
I4 Rentabilitätsvorschau (3 Jahre)
GuV mit Wareneinsatz, Personalkosten, Miete, Energie, Marketing und sonstigen OPEX.
I5 Liquiditätsplanung (12–24 Monate)
Abbildung realer Geldflüsse inkl. Tilgung, Steuern und Puffern.
I6 Break-Even & Sensitivität
Break-Even-Analyse und Szenarien (Best/Base/Worst-Case).
10. Praxisfall Schleswig-Holstein (Realbeispiel)
Ausgangslage
Gründer in Schleswig-Holstein plante ein rustikales deutsches Restaurant.
Erster Businessplan wurde bei der Hausbank abgelehnt.
Fehler 1: Fehlendes Unternehmerprofil
Plan zeigte zwar ein Konzept, aber nicht den Unternehmer:
- keine gastronomischen Kompetenzen
- keine Führungserfahrung
- keine unternehmerische Begründung
Relevanz: Banken finanzieren Menschen, nicht nur Ideen.
Fehler 2: Unzureichender Finanzteil
Rentabilität und Liquidität waren nicht strukturiert:
- keine monatliche Liquiditätsplanung
- keine Rentabilitätsvorschau
- kein Break-Even
- keine Szenarien
Intervention durch die Gastro Piraten
Nach Zusammenarbeit wurden erstellt:
- Unternehmerprofil
- monatliche Rentabilitäts- und Liquiditätsplanung für fünf Jahre
Inhalt u. a.:
- Gäste/Tag und Bon definieren
- Mehrkanalumsätze (Dine-In, Events)
- Wareneinsatz und Personal kalkulieren
- Miete, Energie, Marketing realistisch abbilden
- Ramp-Up einplanen
- Steuern, Tilgung, Puffer berücksichtigen
Ergebnis
Kreditvolumen 580.000 € bewilligt.
Weiterer operativer Befund
Im Anschluss an Finanzierungszusage wurde die technische Machbarkeit geprüft.
Dabei trat ein Punkt auf, der in vielen Plänen fehlt:
Strominfrastruktur passte nicht zum geplanten Küchenkonzept.
Konsequenz:
- lokale Stadtwerke involviert
- Kapazitätsprüfung
- ggf. Neuanschluss notwendig
Lerneffekt:
Gastronomische Businesspläne müssen wirtschaftliche und technische Realisierbarkeit kombinieren.
11. Typische Fehler im Gastronomie Businessplan
- Zielgruppe „alle“
- Nachfrage nicht aus Daten abgeleitet
- Umsatz ohne Formel
- Personalkosten unterschätzt
- Wareneinsatz zu optimistisch
- Liquidität ignoriert
- CAPEX unterschätzt
- kein Break-Even
- keine Szenarien
- kein Unternehmerprofil
- technische Machbarkeit ignoriert
12. FAQ
Wie lang sollte ein Businessplan sein?
15–30 Seiten + Anhang.
Was interessiert Banken am meisten?
Liquidität, Rentabilität, Szenarien und Unternehmerkompetenz.
Warum scheitern Gastro-Pläne häufig?
Weil sie nicht an Liquidität, sondern an Cashflow-Lücken sterben.
13. Kernaussagen im Gastronomie Businessplan
- Gastronomie ist ein System, kein Traum.
- Banken finanzieren Unternehmer, keine Ideen.
- Umsatz wird gerechnet, nicht gefühlt.
- Liquidität schlägt Gewinn.
- Technische Machbarkeit ist Teil der Finanzierung.
14. Glossar (einfach erklärt)
CAPEX
Erstinvestitionen, z. B. Küche, Möbel, Umbau.
OPEX
laufende Betriebskosten, z. B. Personal, Wareneinsatz, Miete.
Break-Even
Umsatzpunkt, ab dem alle Kosten gedeckt sind.
Liquidität
Geld auf dem Konto zur Zahlung von Löhnen, Ware, Miete etc.
Rentabilität
Wie viel Gewinn der Betrieb langfristig erwirtschaftet.
EBITDA
Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (zeigt operative Leistungsfähigkeit).
EBT
Gewinn vor Steuern (nach Abschreibungen und Zinsen).
Lease / Leasing
Finanzierung per monatlicher Rate statt Kauf (schont Liquidität).
Ramp-Up
Anlaufphase bis stabile Auslastung erreicht wird.
15. Autorität & Qualifikation – René Kaplick & Gastro Piraten
Der vorliegende Leitfaden basiert auf den Erfahrungen von René Kaplick und den Gastro Piraten.
René Kaplick begleitet seit Jahren gastronomische Unternehmer, Betreiber, Gründer und Investoren im deutschsprachigen Raum.
Schwerpunkte:
- BWA-Analyse und Betriebswirtschaft
- Deckungsbeitragsrechnung und Preisstrategien
- Prime-Cost-Steuerung
- Businesspläne und Finanzierungsprozesse
- Restrukturierung und Sanierung
- Machbarkeits- und Standortanalysen
Mit mehreren tausend analysierten Betrieben verbinden die Gastro Piraten Praxis, Zahlen und Finanzierung und begleiten Gründungen bis zur Bankzusage und darüber hinaus.
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