Crowdfunding in der Gastronomie heißt: Viele Unterstützer geben dir kleine Beträge, meist gegen ein Dankeschön wie Gutscheine, Essen oder Kochkurse. Das funktioniert, wenn du eine starke Geschichte und eine echte Gemeinschaft hinter dir hast. Aber es ist kein geschenktes Geld. Die meisten Dankeschöns sind Vorverkäufe, die du später mit Ware und Personal einlösen musst, und sie kosten Umsatzsteuer und Plattformgebühren.
Crowdfunding klingt nach der perfekten Lösung, wenn die Bank nein sagt. Ein Video drehen, die Freunde teilen es, und drei Wochen später ist die Kaffeemaschine bezahlt. Manchmal läuft es genau so. Viel öfter läuft es anders: Die Kampagne dümpelt bei 40 Prozent, oder sie ist erfolgreich und der Betrieb kocht im ersten Jahr hunderte Abendessen, für die das Geld längst ausgegeben ist.
In „Bevor du aufschließt“ schreibt René Kaplick nüchtern, dass Crowdfunding, Beteiligungen und stille Gesellschafter in der Gastronomie selten funktionieren und meistens nur bei Konzepten mit starker Geschichte. Dieser Leitfaden zeigt dir, was „starke Geschichte“ konkret heißt, welches der vier Modelle zu deinem Betrieb passt, was dich ein Dankeschön wirklich kostet und warum für den Dorfgasthof eine Genossenschaft oft die bessere Form der Schwarmfinanzierung ist.
Inhalt
- Was ist Crowdfunding und welche Modelle gibt es?
- Für welche Gastronomiebetriebe passt Crowdfunding?
- Was kostet eine Crowdfunding-Kampagne wirklich?
- Warum sind Dankeschöns eine Verbindlichkeit und kein Umsatz?
- Welche Dankeschöns funktionieren in der Gastronomie?
- Wie wird Crowdfunding in der Gastronomie besteuert?
- Wie baust du eine erfolgreiche Crowdfunding-Kampagne auf?
- Woran scheitern Crowdfunding-Kampagnen in der Gastronomie?
- Wann ist eine Genossenschaft die bessere Schwarmfinanzierung?
- Was gilt für Crowdinvesting und Nachrangdarlehen?
- Wie passt Crowdfunding zu Bankkredit und Fördermitteln?
- Häufige Fragen zum Crowdfunding in der Gastronomie
Was ist Crowdfunding und welche Modelle gibt es?
Crowdfunding, auf Deutsch Schwarmfinanzierung, bedeutet, dass viele Menschen ein Vorhaben mit jeweils kleinen Beträgen finanzieren, meist über eine Internetplattform. Es gibt vier Modelle: Spenden ohne Gegenleistung, Unterstützung gegen ein Dankeschön, Beteiligung am Unternehmen und Darlehen gegen Zinsen. Für Gastronomen ist fast immer das Dankeschön-Modell gemeint, im Fachjargon Reward-Crowdfunding.
Die vier Modelle unterscheiden sich nicht nur in der Form, sondern in Steuer, Haftung und Aufwand. Wer sie verwechselt, plant falsch. Die Matrix zeigt dir, was in der Gastronomie realistisch ist:
PASST OFT
Reward-Crowdfunding
Unterstützer zahlen und bekommen ein Dankeschön: Gutschein, Eröffnungsdinner, Kochkurs, Name an der Wand.
Haken: umsatzsteuerpflichtig, Dankeschöns kosten später Ware und Personal.
PASST AUF DEM LAND
Genossenschaft und Bürgerbeteiligung
Das Dorf kauft oder betreibt sein Wirtshaus gemeinsam, jeder zeichnet Anteile.
Haken: Gründung, Prüfungsverband, Mitbestimmung, langer Atem.
PASST SELTEN
Crowdinvesting und Crowdlending
Anleger geben Nachrangdarlehen, Darlehen oder Beteiligungen und wollen Rendite.
Haken: reguliert, Plattformen suchen skalierbare Konzepte, Zinsen müssen verdient werden.
PASST FAST NIE
Spenden-Crowdfunding
Geld ohne Gegenleistung, typisch für Vereine und soziale Projekte.
Haken: Kaum jemand spendet einem gewinnorientierten Restaurant. Und eine Spendenquittung gibt es dafür nicht.
Wichtig für das Verständnis: Bei den meisten Reward-Plattformen gilt das Alles-oder-nichts-Prinzip. Du legst eine Fundingschwelle fest. Wird sie bis zum Ende der Laufzeit nicht erreicht, fließt das Geld an die Unterstützer zurück, und du bekommst nichts. Das schützt beide Seiten, weil niemand ein halb finanziertes Projekt umsetzen muss. Es heißt aber auch: Ein zu hohes Ziel ist gefährlicher als ein zu niedriges.
Für welche Gastronomiebetriebe passt Crowdfunding?
Crowdfunding passt zu Gastronomiebetrieben mit einer Geschichte, die Menschen weitererzählen wollen, und mit einer Gemeinschaft, die schon vor der Kampagne existiert: die Dorfkneipe, die gerettet werden soll, das Café mit eigener Rösterei, der Stammgasttreff, der umziehen muss. Für austauschbare Konzepte ohne bestehendes Publikum funktioniert es fast nie, egal wie gut das Video ist.
Der häufigste Denkfehler: Crowdfunding finde neue Menschen für dich. Das tut es kaum. Die Plattform ist ein Kassensystem mit Schaufenster, kein Marketing. Das Geld kommt in aller Regel von Menschen, die dich, dein Team oder deinen Ort schon kennen, und von deren Freunden. Wer vor der Kampagne keine Gemeinschaft hat, hat danach auch keine.
Der Crowd-Test: Hat dein Konzept eine starke Geschichte?
Zähl deine Ja-Antworten. Unter sechs: Lass die Finger von Crowdfunding oder bau erst die Gemeinschaft auf.
- Kannst du in zwei Sätzen erklären, warum es deinen Betrieb geben muss, und nicht nur, was du verkaufst?
- Gibt es etwas zu retten, zu bewahren oder neu zu schaffen, das anderen Menschen etwas bedeutet?
- Hast du heute schon mindestens 300 Menschen, die du direkt erreichen kannst, per Newsletter, Instagram, WhatsApp oder Stammgastliste?
- Würden mindestens 50 davon dir ohne Nachfrage 50 Euro geben, weil sie dich kennen?
- Gibt es im Ort Vereine, Unternehmen oder Medien, die über dein Vorhaben berichten würden?
- Ist dein Finanzierungsziel ein konkretes Ding, etwa eine Röstmaschine, ein Biergarten oder die neue Küche?
- Ist der Rest der Finanzierung schon gesichert, sodass die Kampagne nur noch die letzte Lücke schließt?
- Hast du Dankeschöns, die mehr wert sind als ein Rabatt, etwa Erlebnisse, Namen, Zugang?
- Hast du sechs bis acht Wochen Zeit, die Kampagne jeden Tag aktiv zu betreuen?
- Kannst du die Dankeschöns später einlösen, ohne dein Tagesgeschäft zu blockieren?
Frage sieben ist entscheidender, als sie aussieht. Crowdfunding als einzige Finanzierungsquelle für eine Gründung ist fast immer zu dünn. Deutlich besser funktioniert es als Baustein, der eine letzte Lücke schließt, die Eigenkapitalquote stärkt oder ein besonderes Extra finanziert. Wie ein vollständiger Finanzierungsplan aussieht, zeigt der Beitrag zum Businessplan in der Gastronomie.
Was kostet eine Crowdfunding-Kampagne wirklich?
Eine Crowdfunding-Kampagne kostet Plattformgebühren, Zahlungsgebühren, Umsatzsteuer auf die Dankeschöns, die Herstellung oder Einlösung der Dankeschöns und deine eigene Arbeitszeit. Laut einem Plattformvergleich von Frühjahr 2026 liegen die Plattformgebühren je nach Anbieter und Tarif zwischen 5 und 14 Prozent, die Zahlungsabwicklung kostet zusätzlich etwa 3 bis 5 Prozent.
Die Gebühren sind der kleinere Teil. Der größere sind die Dankeschöns. Wer einem Unterstützer für 100 Euro ein Abendessen für zwei verspricht, hat 100 Euro auf dem Konto und schuldet ein Abendessen, mit Wareneinsatz, Personal, Energie und Umsatzsteuer. Rechnen wir eine typische Kampagne durch:
Vereinfachte Rechnung. Den Wareneinsatz haben wir mit dem üblichen Gesamtrahmen von 25 bis 28 Prozent grob angesetzt, Umsatzsteuer und Personal hängen vom konkreten Dankeschön ab. Die Plattformgebühren variieren stark, prüf die aktuellen Konditionen direkt bei der Plattform.
Das heißt nicht, dass sich die Kampagne nicht lohnt. 27.000 Euro auf dem Konto vor der Eröffnung sind viel wert, gerade wenn die Bank auf Eigenkapital schaut. Aber du musst ehrlich planen: Ein großer Teil davon ist ein zinsloser Vorverkauf, kein Zuschuss. Diese Leistung erbringst du in den ersten Monaten, genau dann, wenn du jeden zahlenden Gast brauchst.
Und dann ist da noch die eigene Arbeitszeit. Eine ernsthafte Kampagne braucht Vorbereitung, Video, Texte, Dankeschön-Logistik und während der Laufzeit tägliche Betreuung. Wer gleichzeitig einen Umbau steuert, Personal sucht und Behördengänge erledigt, unterschätzt das regelmäßig. Plan es wie ein Projekt mit festen Stunden pro Woche, nicht als Nebenbei-Aufgabe.
Warum sind Dankeschöns eine Verbindlichkeit und kein Umsatz?
Dankeschöns wie Gutscheine, Eröffnungsdinner oder Kochkurse sind eine Verbindlichkeit, weil du das Geld heute bekommst, die Leistung aber später schuldest. Erst wenn der Unterstützer einlöst, entstehen Wareneinsatz und Personalkosten, und dann zählt es als Umsatz. Wer das Crowdfunding-Geld komplett ausgibt, finanziert die Einlösung im ersten Betriebsjahr aus dem laufenden Geschäft.
In „Vom Wirt zum Unternehmer“, Band 2, nennt René Kaplick Gutscheine „die Verbindlichkeit, die sich wie Umsatz anfühlt“. Wer im Dezember Gutscheine für viertausend Euro verkauft, hat das Gefühl eines guten Monats. Auf dem Konto liegt Geld. Es ist aber kein Umsatz, sondern eine Leistung, die du später erbringen musst. Bei einer Crowdfunding-Kampagne ist es genau dasselbe, nur in größerem Maßstab.
Wann das Geld kommt und wann die Kosten
Die Lösung ist kein Verzicht auf Dankeschöns, sondern kluge Gestaltung. Drei Hebel haben sich bewährt:
- Dankeschöns ohne Wareneinsatz. Name auf der Spenderwand, Einladung zum Richtfest, persönlicher Stammplatz, Blick hinter die Kulissen. Das kostet fast nichts und ist für echte Fans oft mehr wert als ein Rabatt.
- Einlösung lenken. Gutscheine für einen Themenabend, den Mittagstisch oder bestimmte Wochentage. Band 2 beschreibt genau diesen Ansatz: Ein Gutschein für eine bestimmte Leistung lenkt die Einlösung in die schwächeren Zeiten statt auf den vollen Samstag.
- Einlösung strecken. Nicht alle Einlösungen in den Eröffnungsmonat legen. Gestaffelte Termine, ein Unterstützer-Abend pro Monat, ein Kochkurs pro Quartal.
Ein Wort zur Befristung: Viele drucken „gültig drei Monate“ auf den Gutschein, um die Einlösung zu bündeln. Band 2 warnt ausdrücklich, dass eine kurze Befristung oft nicht wirksam ist. Ohne wirksame Befristung gilt die regelmäßige Verjährung von drei Jahren nach § 195 BGB. Lenk die Einlösung deshalb lieber über attraktive Termine als über Verfallsdaten, und lass die Formulierung von jemandem prüfen, der sich damit auskennt.
Welche Dankeschöns funktionieren in der Gastronomie?
In der Gastronomie funktionieren Dankeschöns am besten, die Nähe und Zugehörigkeit verkaufen statt Rabatt: der Name an der Unterstützerwand, die Einladung zum Probekochen, der Kochkurs mit dem Küchenchef, der Stammtisch mit Messingschild. Sie sind für echte Fans mehr wert als ein Gutschein, kosten wenig Wareneinsatz und lassen sich in ruhige Zeiten legen. Reine Rabattgutscheine sind die teuerste Form.
Bau deine Dankeschöns als Treppe. Jede Stufe sollte für den Unterstützer attraktiv sein und für dich kalkulierbar. Die Spalte rechts zeigt, was dich die Stufe wirklich kostet:
Die Dankeschön-Treppe
Beispielhafte Stufen ohne Gewähr für deinen Betrieb. Kalkulier jede Stufe mit deinem eigenen Wareneinsatz und Personalaufwand.
Die Treppe zeigt ein Muster: Je weiter ein Dankeschön von „Essen zum halben Preis“ entfernt ist, desto besser ist es für dich. Wer seinen Unterstützern Zugang, Mitwirkung und Sichtbarkeit verkauft, bindet sie an den Betrieb, ohne die ersten Monate mit Einlösungen zu verstopfen. Der Kochkurs an einem Dienstag bringt dir zehn Menschen, die danach ihren Freunden von deinem Laden erzählen. Der 50-Prozent-Gutschein bringt dir jemanden, der am Samstag einen Tisch blockiert.
Achte bei den oberen Stufen auf die Steuer. Sobald ein Unterstützer für seinen Betrag Werbung bekommt, etwa sein Firmenlogo auf der Wand oder in der Speisekarte, ist das eine Gegenleistung und steuerlich entsprechend zu behandeln. Und kalkulier die Gutschein-Stufen mit dem Deckungsbeitrag, nicht mit dem Verkaufspreis. Wie das geht, zeigt der Beitrag zur Deckungsbeitragskalkulation.
Wie wird Crowdfunding in der Gastronomie besteuert?
Beim Reward-Crowdfunding ist das Dankeschön eine Gegenleistung, deshalb ist die Unterstützung grundsätzlich umsatzsteuerpflichtig. Beteiligungen sind nach § 4 Nr. 8 UStG umsatzsteuerfrei, echte Spenden ohne Gegenleistung sind nicht steuerbar. Ertragsteuerlich zählt das Geld als Betriebseinnahme. Wann die Umsatzsteuer fällig wird, hängt bei Gutscheinen von deren Art ab. Kläre das vor dem Start mit deinem Steuerberater.
Die Unterscheidung steht im Umsatzsteuergesetz. Für Gastronomen sind vor allem zwei Punkte wichtig.
Einzweck- oder Mehrzweckgutschein
Bei einem Einzweckgutschein steht der Steuersatz schon beim Verkauf fest, die Umsatzsteuer wird sofort fällig. Bei einem Mehrzweckgutschein erst bei der Einlösung. Weil Speisen und Getränke in der Gastronomie unterschiedlich besteuert werden, ist ein Restaurantgutschein häufig ein Mehrzweckgutschein. Die Regeln stehen in § 3 Abs. 13 bis 15 UStG.
Kleines Dankeschön, große Wirkung
Selbst bei Spenden-Crowdfunding kippt die Einordnung, sobald der Unterstützer mehr als eine Kleinigkeit bekommt, etwa Werbung für seinen Betrieb. Eine Dankeskarte ist unkritisch, das Firmenlogo auf der Speisekarte ist eine Gegenleistung und damit steuerpflichtig.
Dazu kommt die Ertragsteuer. Das eingesammelte Geld ist eine Betriebseinnahme. Wann es im Gewinn auftaucht, hängt davon ab, wie du bilanzierst und ob die Dankeschöns noch ausstehen. Wer im Gründungsjahr 30.000 Euro einsammelt und sie als Gewinn versteuert, obwohl die Leistung erst im Folgejahr erbracht wird, zahlt zu früh. Wer es falsch abgrenzt, hat später Ärger. Das gehört vor der Kampagne auf den Tisch deines Steuerberaters, nicht danach. Mehr zu den Steuersätzen in der Gastronomie steht im Beitrag zur Umsatzsteuer.
Wichtig
Diese Hinweise sind Praxiserfahrung aus der Beratung, keine Steuerberatung. Die Gastro Piraten sind weder Steuerberater noch Rechtsanwälte. Lass die steuerliche Behandlung deiner Kampagne vor dem Start verbindlich klären.
Wie baust du eine erfolgreiche Crowdfunding-Kampagne auf?
Eine erfolgreiche Crowdfunding-Kampagne beginnt sechs bis acht Wochen vor dem Start mit dem Aufbau der Gemeinschaft, nicht mit dem Video. Du brauchst ein realistisches Ziel, das du sicher erreichst, Dankeschöns mit geringem Wareneinsatz, eine Startgruppe, die in den ersten Tagen einzahlt, und einen Plan für tägliche Kommunikation während der gesamten Laufzeit.
Der Start ist entscheidend. Kampagnen, die in den ersten Tagen sichtbar Fahrt aufnehmen, ziehen weitere Unterstützer an. Kampagnen, die nach einer Woche bei zehn Prozent stehen, wirken wie ein Projekt, an das niemand glaubt. Deshalb sammelt man die erste Welle schon vorher ein: Freunde, Familie, Stammgäste, Lieferanten, die am Starttag bereitstehen.
Kampagnenfahrplan in zwölf Wochen
Finanzierung klären und Gemeinschaft aufbauen
Gesamtfinanzierung mit Bank und Fördermitteln steht, Ziel festlegen, Steuerfragen klären, Newsletter und Social Media aufbauen, Unterstützerliste anlegen.
Geschichte, Video, Dankeschöns
Zwei bis drei Minuten Video, ehrlich und persönlich. Dankeschöns in vier bis sechs Stufen, kalkuliert mit Wareneinsatz und Einlösezeitpunkt.
Vorab-Zusagen einsammeln
Die Startgruppe ansprechen, lokale Presse und Vereine informieren, Termin für den Start festlegen.
Laufzeit, vier bis sechs Wochen
Täglich Neuigkeiten aus der Baustelle, Unterstützer namentlich danken, Zwischenziele feiern, in der letzten Woche alle noch einmal mobilisieren.
Einlösen und Kontakt halten
Dankeschöns pünktlich liefern, Einlösungen planen, die Unterstützer als Stammgäste behandeln. Sie sind dein erstes Publikum.
Aus typischen Beratungssituationen zusammengesetzt
Das Röstcafé, das am Eröffnungsabend kapitulierte
Ein Gründerpaar in einer mittelgroßen Stadt in Sachsen-Anhalt will ein Café mit eigener Röstmaschine eröffnen. Bank und Förderkredit decken den Großteil, für die Röstmaschine fehlen 25.000 Euro. Die Kampagne läuft hervorragend: Nach fünf Wochen sind rund 380 Unterstützer dabei und das Ziel ist überschritten.
Das Problem kommt mit der Eröffnung. Fast die Hälfte der Dankeschöns sind „Frühstück für zwei“ und „Kaffee-Flatrate für einen Monat“, einlösbar ab Eröffnung. Am ersten Wochenende stehen die Unterstützer Schlange, zahlende Laufkundschaft findet keinen Platz, und in der Kasse landet kaum Geld. Der Wareneinsatz läuft trotzdem.
Die Lösung, die das Paar nach drei Wochen einführt: Einlösungen nur noch dienstags bis donnerstags, plus zwei feste Unterstützer-Frühstücke im Monat. Hätten sie das von Anfang an in die Dankeschöns geschrieben, wäre der Start deutlich entspannter gewesen.
Die Kampagne selbst ist am Ende auch Marketing, und zwar das beste, das du vor der Eröffnung bekommen kannst. Wer sie gut führt, hat am Eröffnungstag einige hundert Menschen, die sich als Teil des Projekts fühlen. Wie du diese Gemeinschaft danach weiterpflegst, zeigt der Beitrag zu Instagram für Gastronomen, und Unterstützung bei Kampagne und Kommunikation bekommst du in unserem Marketing.
Woran scheitern Crowdfunding-Kampagnen in der Gastronomie?
Crowdfunding-Kampagnen in der Gastronomie scheitern meist an denselben Fehlern: ein zu hohes Ziel, keine Gemeinschaft vor dem Start, eine Geschichte, die nur das Produkt beschreibt, Dankeschöns ohne Kalkulation, eine Laufzeit ohne tägliche Betreuung und eine Kampagne, die beginnt, bevor der Rest der Finanzierung steht. Fast alle davon lassen sich vor dem Start erkennen und vermeiden.
Zu hohes Ziel
Beim Alles-oder-nichts-Prinzip ist ein knapp verfehltes Ziel ein Totalverlust. Setz das Ziel auf das, was du sicher erreichst, und nenn ein Zusatzziel für den Rest.
Keine Startgruppe
Wer am ersten Tag bei null steht, wirkt unattraktiv. Die ersten Unterstützer müssen vorher zugesagt haben.
Produkt statt Geschichte
„Wir eröffnen ein Café mit tollem Kaffee“ trägt keine Kampagne. „Wir retten die letzte Kneipe im Viertel“ schon.
Unkalkulierte Dankeschöns
Großzügige Gutscheine fühlen sich in der Kampagne gut an und werden im ersten Betriebsjahr teuer.
Stille in der Mitte
Die meisten Kampagnen erleben einen Durchhänger nach dem Start. Wer dann nichts Neues erzählt, verliert Tempo.
Falsche Reihenfolge
Kampagne erfolgreich, Bank sagt nein: Dann hast du Geld für einen Betrieb, den es nicht gibt, und Unterstützer, die Antworten wollen.
Der letzte Punkt ist der gefährlichste, weil er nicht nur Geld kostet, sondern Ruf. Wer Hunderte Menschen begeistert und dann nicht eröffnet, hat in seinem Ort ein Problem, das kein Marketing repariert. Deshalb gilt: Erst steht die Finanzierung, dann startet die Kampagne. Und wenn die Kampagne die Bedingung für die Bank ist, sprich das mit der Bank vorher ab und schreib in die Kampagne offen hinein, was passiert, wenn die Finanzierung trotzdem scheitert.
Ein letzter Rat aus der Praxis: Schau dir vor dem Start drei erfolgreiche und drei gescheiterte Gastro-Kampagnen auf der Plattform deiner Wahl an. Die Unterschiede fallen sofort auf, meistens schon im ersten Absatz und im ersten Video-Satz. Das ist die günstigste Marktforschung, die du bekommen kannst.
Wann ist eine Genossenschaft die bessere Schwarmfinanzierung?
Eine Genossenschaft ist die bessere Schwarmfinanzierung, wenn ein Ort sein Wirtshaus erhalten will und viele Menschen bereit sind, sich langfristig zu beteiligen. Die Bürger zeichnen Anteile, die Genossenschaft kauft oder pachtet das Gebäude und verpachtet es an einen Wirt oder betreibt selbst. Das Geld ist Eigenkapital, keine Vorverkaufsschuld, und die Gemeinschaft bleibt dauerhaft eingebunden.
Ein Beispiel aus Niedersachsen: In Handorf-Langenberg hat eine Genossenschaft 2018 nach einem Bericht von Hogapage 208.000 Euro gesammelt, um das Dorfgasthaus zu kaufen. Mindestens 200.000 Euro waren nötig, ein Anteil kostete 250 Euro. Danach sollte das Gebäude mit öffentlicher Förderung renoviert und an einen Pächter vergeben werden. Solche Bürgergenossenschaften gibt es inzwischen in vielen Regionen.
| Reward-Crowdfunding | Genossenschaft | |
|---|---|---|
| Art des Geldes | Vorverkauf mit Gegenleistung | Eigenkapital durch Anteile |
| Typische Summe | einige tausend bis zehntausende Euro | auch sechsstellig, für Kauf oder Sanierung |
| Aufwand | Kampagne über einige Wochen | Gründung, Satzung, Prüfungsverband, Generalversammlung |
| Mitsprache | keine | Stimmrecht der Mitglieder |
| Passt zu | Café, Bar, Konzeptgastronomie mit Fangemeinde | Dorfgasthof, Landgasthaus, Kneipe als Treffpunkt |
Eine Genossenschaft ist kein Selbstläufer. Sie muss einem genossenschaftlichen Prüfungsverband angehören, so verlangt es § 54 Genossenschaftsgesetz, und sie braucht Menschen, die sich jahrelang ehrenamtlich kümmern. Und sie löst nicht das wichtigste Problem: Irgendwer muss das Wirtshaus wirtschaftlich betreiben. Ein schönes Gebäude ohne tragfähiges Konzept steht nach drei Jahren wieder leer, nur gehört es dann dem ganzen Dorf.
Für Wirte, die einen Landgasthof übernehmen wollen, kann eine Genossenschaft als Verpächter trotzdem ein Glücksfall sein: eine Gemeinschaft, die das Haus will, eine faire Pacht und ein Stammpublikum, das schon vor der Eröffnung da ist. Worauf du bei einer Übernahme achten musst, steht im Beitrag zum Landgasthof übernehmen, und wie du dich auf dem Land richtig positionierst, im Beitrag zur Positionierung in der Landgastronomie.
Was gilt für Crowdinvesting und Nachrangdarlehen?
Beim Crowdinvesting geben Anleger dir Kapital gegen Rendite, meist als Nachrangdarlehen, partiarisches Darlehen oder Beteiligung. Das ist streng reguliert: In der EU gilt seit 2021 die Schwarmfinanzierungsverordnung für Angebote bis 5 Millionen Euro in zwölf Monaten, in Deutschland zusätzlich das Vermögensanlagengesetz. Für einzelne Gastronomiebetriebe ist Crowdinvesting deshalb selten der richtige Weg.
Die Verordnung (EU) 2020/1503 regelt, wie Plattformen Schwarmfinanzierungen vermitteln dürfen, und verlangt unter anderem ein Anlagebasisinformationsblatt für jedes Projekt. Für bestimmte Vermögensanlagen wie Nachrangdarlehen gelten in Deutschland Sonderregeln in § 2a Vermögensanlagengesetz. Das alles erledigt in der Regel die Plattform, aber es schränkt ein, wer überhaupt zugelassen wird.
Die Plattformen suchen Konzepte, die wachsen und Anlegern eine Rendite bringen können: Systemgastronomie mit Filialplan, Getränkemarken, Food-Startups mit Handelsprodukt. Das einzelne Restaurant mit 60 Plätzen passt selten ins Raster. Und selbst wenn: Ein Nachrangdarlehen mit Zinsen muss aus dem Gewinn bedient werden, wie jeder andere Kredit auch. Bei einem typischen Restaurantgewinn ist das schnell eine Last.
Vorsicht bei privaten Darlehen aus dem Freundeskreis
Wer ohne Plattform bei vielen Bekannten Darlehen einsammelt, bewegt sich schnell im regulierten Bereich. Ab einer gewissen Zahl von Geldgebern und Beträgen können Erlaubnis- oder Prospektpflichten greifen. Lass solche Konstruktionen vorher von einem Anwalt mit Erfahrung im Kapitalmarktrecht prüfen.
Für die meisten Gastronomen ist die bessere Frage deshalb nicht „Crowdinvesting ja oder nein“, sondern: Welche Rechtsform und welche Beteiligungsform passt, wenn jemand dauerhaft Geld in meinen Betrieb steckt? Das kann ein stiller Gesellschafter sein, ein Mitgesellschafter oder eben eine Genossenschaft. Welche Rechtsform zu welchem Modell passt, zeigt der Beitrag zur optimalen Rechtsform für Restaurants.
Wie passt Crowdfunding zu Bankkredit und Fördermitteln?
Crowdfunding passt am besten als Ergänzung zu Bankkredit und Fördermitteln, nicht als Ersatz. Die Kampagne kann eine letzte Lücke schließen, ein konkretes Extra finanzieren oder zeigen, dass es echte Nachfrage gibt. Das hilft im Bankgespräch. Ob Banken Crowdfunding-Geld als Eigenkapital werten, hängt vom Modell ab: Vorverkäufe mit Gegenleistung zählen meist nicht voll, Genossenschaftsanteile schon eher.
Eine Kampagne mit 380 Unterstützern ist für eine Bank ein starkes Signal: Es gibt Menschen, die auf diesen Betrieb warten. Viele Bankberater lesen das als Nachfrage-Beweis, den kein Businessplan liefern kann. Aber sie rechnen auch nach. Wer 25.000 Euro einsammelt und 20.000 Euro davon in Essen zurückzahlen muss, hat nicht 25.000 Euro Eigenkapital. Erklär das offen, sonst verlierst du Vertrauen.
Der Großteil
KfW-Kredit und Hausbank, abgesichert über die Bürgschaftsbank
Der Zuschuss
Fördermittel von Bund und Ländern, bei Gründung aus Arbeitslosigkeit der Gründungszuschuss
Die Ware
Zahlungsziele beim Lieferanten, für größere Einkäufe lagerfähiger Ware auch Finetrading
Das Extra
Crowdfunding für ein konkretes, erzählbares Ziel: Röstmaschine, Biergarten, Rettung des Hauses
Achte auf die Reihenfolge. Die Kampagne sollte erst starten, wenn der Rest der Finanzierung steht oder zumindest fest zugesagt ist. Sonst sammelst du Geld für ein Projekt, das am Ende an der Bank scheitert, und musst alles zurückzahlen oder Dankeschöns für einen Betrieb einlösen, den es nie gibt. Und denk an die Liquidität nach der Eröffnung: Die Einlösungen gehören in deine Liquiditätsplanung, sonst überrascht dich der dritte Monat. Einen Überblick über alle Wege gibt der Beitrag zur Finanzierung in der Gastronomie.
Du willst wissen, ob dein Konzept die Geschichte für eine Kampagne hat, oder wie du Crowdfunding, Bank und Förderung sinnvoll kombinierst? In unserer Gründungsberatung prüfen wir mit dir die Gesamtfinanzierung, rechnen die Dankeschöns durch und bereiten das Bankgespräch vor. Die Gastro Piraten sind KfW- und BAFA-akkreditiert. Die saubere Abgrenzung der Einnahmen übernimmt unsere Buchhaltung.
Das Buch zur Existenzgründung
Bevor du aufschließt
René Kaplicks Handbuch für alle, die ein Restaurant, Café, einen Imbiss oder ein Hotel gründen oder übernehmen wollen. Mit dem vollständigen Finanzierungskapitel von KfW über Bürgschaftsbank und Verkäuferdarlehen bis zu den alternativen Wegen, und mit der ehrlichen Antwort, wann Crowdfunding in der Gastronomie funktioniert und wann nicht. Gegliedert nach Betriebstyp, mit Investitionszahlen aus der Praxis.
Wer hier schreibt
René Kaplick ist in der Gastronomie aufgewachsen und hat mit zehn Jahren die ersten Gäste bedient. Nach der Kochausbildung arbeitete er in der Sternegastronomie im First Floor Berlin und wurde später Handelsfachwirt. Seit 2010 hat er mit den Gastro Piraten über 5.600 Betriebe beraten. Die Gastro Piraten sind KfW- und BAFA-akkreditiert und DEHOGA-Partner. Mehr über uns
Bevor du die Kampagne startest
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Häufige Fragen zum Crowdfunding in der Gastronomie
Grundlagen
Funktioniert Crowdfunding für ein Restaurant?
Ja, aber nur unter Bedingungen. Du brauchst eine Geschichte, die Menschen weitererzählen, eine bestehende Gemeinschaft und ein konkretes Ziel. Für austauschbare Konzepte ohne Publikum funktioniert es fast nie. Zusammen mit einer Bankfinanzierung sind die Chancen deutlich besser, denn als einzige Quelle reicht es selten.
Welche Crowdfunding-Plattform ist für Gastronomen geeignet?
Für Reward-Kampagnen im deutschsprachigen Raum ist Startnext die bekannteste Plattform, international sind es Kickstarter und Indiegogo. Wähl die Plattform danach, wo deine Unterstützer sich wohlfühlen, und vergleich die aktuellen Gebühren direkt beim Anbieter, denn sie ändern sich.
Was passiert, wenn das Crowdfunding-Ziel nicht erreicht wird?
Beim Alles-oder-nichts-Prinzip, das die meisten Reward-Plattformen nutzen, bekommen alle Unterstützer ihr Geld zurück, und du bekommst nichts. Deshalb sollte das Ziel so gewählt sein, dass du es sicher erreichst. Mehr einsammeln darfst du immer.
Wie lange sollte eine Crowdfunding-Kampagne laufen?
Für die meisten Gastro-Kampagnen sind vier bis sechs Wochen sinnvoll. Kürzer reicht oft nicht, um alle Unterstützer zu erreichen, länger verliert an Spannung. Wichtiger als die Laufzeit ist die Vorbereitung: sechs bis acht Wochen vor dem Start beginnt die eigentliche Arbeit.
Wie viel Geld kann ich mit Crowdfunding für mein Restaurant sammeln?
Das hängt fast nur von deiner Gemeinschaft ab. Eine grobe Rechnung: Wie viele Menschen erreichst du direkt, wie viele davon machen realistisch mit, und wie hoch ist der durchschnittliche Betrag? Bei 1.000 erreichbaren Kontakten, 20 Prozent Beteiligung und 80 Euro im Schnitt landest du bei rund 16.000 Euro.
Kosten und Steuer
Was kostet Crowdfunding?
Plattformgebühren von je nach Anbieter rund 5 bis 14 Prozent, dazu etwa 3 bis 5 Prozent Zahlungsgebühren. Der größere Kostenblock sind die Dankeschöns: Wareneinsatz, Personal und Umsatzsteuer bei der Einlösung. Plus deine eigene Arbeitszeit für Vorbereitung und Betreuung.
Muss ich auf Crowdfunding Umsatzsteuer zahlen?
Beim Reward-Crowdfunding ja, weil das Dankeschön eine Gegenleistung ist. Wann sie fällig wird, hängt bei Gutscheinen davon ab, ob es Einzweck- oder Mehrzweckgutscheine sind. Echte Spenden ohne Gegenleistung sind nicht umsatzsteuerbar. Kläre das vorab mit deinem Steuerberater.
Zählt Crowdfunding-Geld als Eigenkapital bei der Bank?
Das hängt vom Modell ab. Geld aus Vorverkäufen mit Gegenleistung werten Banken meist nicht voll als Eigenkapital, weil du die Leistung noch schuldest. Genossenschaftsanteile sind dagegen Eigenkapital. Im Bankgespräch hilft jede erfolgreiche Kampagne trotzdem, weil sie echte Nachfrage belegt.
Alternativen
Kann ein Dorf sein Gasthaus per Genossenschaft retten?
Ja, das gibt es in vielen Regionen. Die Bürger zeichnen Anteile, die Genossenschaft kauft oder pachtet das Gebäude und verpachtet es an einen Wirt. In Handorf-Langenberg kamen so 2018 rund 208.000 Euro mit Anteilen zu je 250 Euro zusammen. Entscheidend bleibt ein Betreiber mit tragfähigem Konzept.
Ist Crowdinvesting eine Option für mein Café?
Selten. Crowdinvesting-Plattformen suchen wachstumsstarke Konzepte, die Anlegern Rendite bringen, etwa mit Filialplan oder Handelsprodukt. Ein einzelnes Café passt meist nicht ins Raster, und die Zinsen auf Nachrangdarlehen müssen aus dem Gewinn bezahlt werden.
Crowdfunding ist kein Geldregen, sondern ein Vorverkauf mit Publikum. Wer die Gemeinschaft vorher aufbaut, die Dankeschöns ehrlich kalkuliert und die Einlösung klug lenkt, bekommt beides: Geld und Stammgäste.
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